EC-Karten-Hack!
- Allgemein
- Keine Kommentare zu EC-Karten-Hack!
- Posted on
Gestern bin ich durch die Innenstadt gegangen. Ein junger Mann im Anzug hat mich sehr freundlich angesprochen. Er sagte, dass er von meiner Bank wäre und dass es ein Problem mit meiner EC-Karte geben würde und dass diese gehackt wurde. Er müsse die Karte überprüfen lassen und er bräuchte dazu auch die PIN. Er zeigt mir natürlich auch die Visitenkarte meiner Bank und seinem Namen. Natürlich wollte ich, dass alles in Sicherheit ist und ich gab ihm die Karte und die PIN. Kurze Zeit später stellte ich fest, dass mein Konto leer geräumt war. Offenbar ein ‚EC-Karten-Hack‘. Am Abend steht es so in der Zeitung: „EC-Karten-Hack auf offener Straße!“
Nein. Natürlich ist diese Geschichte nicht wahr und viel wichtiger: Gehackt wurde hier gar nichts.
Was passiert ist, nennt man seit Jahren schlicht Enkeltrick – soziale Manipulation, Täuschung, Ausnutzen von Vertrauen. Kein Code, keine Sicherheitslücke, kein Cyberangriff. Sondern ein Mensch, der einen anderen austrickst.
Und genau das bringt uns zu den aktuellen Schlagzeilen rund um angebliche „Signal-Hacks“.
In den letzten Wochen tauchten vermehrt Meldungen auf, dass Accounts bei Signal „gehackt“ worden seien. Das klingt dramatisch – ist aber in den meisten Fällen schlicht falsch beschrieben.
Signal selbst gilt weiterhin als einer der sichersten Messenger:
Ende-zu-Ende-Verschlüsselung, Open Source, minimale Datenspeicherung.
Was tatsächlich passiert, ist meistens etwas anderes. Es gab den Enkeltrick mit der Herausgabe von Passwörtern oder Verifikationscodes. Kurz gesagt: Nicht die App wird gehackt – Menschen werden manipuliert.
Oder anders formuliert:
Der angebliche „Signal-Hack“ ist in vielen Fällen nichts anderes als ein digitaler Enkeltrick.
Und genau hier wird es interessant. Denn Sprache prägt, wie wir Realität verstehen. Wenn wir alles „Hack“ nennen, verlieren wir das Gefühl dafür, wo die eigentliche Schwachstelle liegt und die Menschen verzichten auf echte Sicherheit, weil sie denken, dass sichere Anwendungen auch unsicher sind. Das ist nicht der Fall.
Heute ist wieder DUT (Digitaler UnabhängigkeitsTag), der findet jeden ersten Sonntag im Monat statt. Das Ziel ist der schrittweise Wechsel zu datenschutzfreundlichen, demokratischen Alternativen. Signal gehört dazu (https://di.day/de).
Unser digitales Leben liegt in der Hand weniger großer Konzerne – und damit geben wir Kontrolle über Kommunikation, Daten und sogar Meinungsbildung ab.
Wo das hinführen kann, zeigt eine Serie, die 2011-2016 erstmals ausgestrahlt wurde und jetzt wieder auf Netflix läuft. Ja, ich weiß, dass Netflix auch zu BigTech gehört und ich möchte deswegen auch besonders nochmal auf https://nicht-nett-flix.de/ hinweisen. Ich habe mein Abo gekündigt.
Kommen wir wieder zur Serie. Person of Interest erzählt von einer künstlichen Intelligenz, die entwickelt wurde, um terroristische Bedrohungen vorherzusagen.
Und genau diese Serie liefert eine überraschend passende Perspektive auf unser Thema. Diese KI sieht alles. Wirklich alles. Kameras, Kommunikation, Bewegungsdaten. Sie erkennt Muster, bevor Menschen sie sehen. Im Laufe der Serie entsteht noch eine zweite KI, die mächtiger ist und es entwickelt sich daraus ein Konflikt zwischen zwei Systemen: Eine „gute“ KI, aber weniger mächtige KI, die Menschen schützen will und eine „böse“ KI, die auch die Menschen schützen will, die aber ein größeres Ganzes sieht und der einzelne Menschen nicht so wichtig sind wie das Ganze. Eine klassisch utilitaristische Denkweise.
Teilweise werden beide KIs (die Maschine und Samaritan) auch als Gottheit bezeichnet.
allwissend, unsichtbar, eingreifend. Vor kurzem habe ich noch die Folge 7 in Staffel 5 gesehen.
Dort zeigt sich, was möglich wird, wenn Technologie Stimmen perfekt imitieren kann. Im Radio wird live ein Selbstmord begangen. In Wirklichkeit ist die Person bereits ermordet worden und durch KI-Stimmensimulation wird daraus ein live zu erlebender Selbstmord. Diese Folge hatte ihre Erstausstrahlung im Mai 2016. Da war das Thema KI noch nicht so präsent und die KI vermutlich auch noch nicht so weit entwickelt. Für einen möglichen „Enkeltrick“ bekommt das plötzlich auch noch eine neue Dimension und es ist wichtig, dass es umfassende digitale Bildung gibt und echte Unabhängigkeit.
In der Folge gab es noch einen weiteren spannenden Punkt auf den ich nächste Woche gerne weiter eingehen möchte.
Foto von appshunter.io auf Unsplash

