Schwerer Weg II: Denkmal
„Hol den Vorschlaghammer! / Sie haben uns ein Denkmal gebaut / Und jeder Vollidiot weiß, dass das die Liebe versaut / Ich werd‘ die schlechtesten Sprayer dieser Stadt engagier’n / Die soll’n nachts noch die Trümmer mit Parolen beschmier’n“ – Refrain: Denkmal
Unsere Kirche steht vor dem Zusammenbruch.
Nicht als dramatische Übertreibung. Als nüchterne Beschreibung der Realität.
Die Mitgliederzahlen sinken – seit Jahrzehnten, konsequent, unaufhaltsam. Und was passiert intern? Man erzählt sich, wie wertvoll und unverzichtbar die eigene Arbeit ist. Eine ehrliche Bestandsaufnahme findet nicht statt. Und weil sie nicht stattfindet, wird sich nichts ändern – bis der Druck der Ressourcenknappheit so groß wird, dass es keine Wahl mehr gibt. Bis zum Zusammenbruch.
Und was tun die Menschen in dieser Kirche? Sie klammern sich an Steine.
„Stadtbildprägende Kirchen müssen doch erhalten werden“, heißt es. Als wäre das Gebäude die Botschaft. Als würde Gott im Mauerwerk wohnen.
Die Tempel auf der Akropolis in Athen sind auch stadtbildprägend. Die Tempel von Uxmal in Mexiko, die Tempel von Luxor in Ägypten – beeindruckende Bauwerke, alle zusammen. Und alle sind sie genau das: Bauwerke. Keine Orte gelebten Glaubens mehr. Keine Orte der Hoffnung.
Wenn Kirche zur Denkmalverwalterin wird, kuratiert sie ihr eigenes Ende.
„Sie haben uns ein Denkmal gebaut“
Würden die Jünger Jesu diese Worte sagen, wenn sie heute die Kirche in Deutschland sähen? Die Kirche mit ihren Gebäuden, die außer zu Weihnachten kaum noch jemand betritt?
„Und jeder Vollidiot weiß, dass das die Liebe versaut“
Wofür steht diese Kirche noch – wenn man die Mitglieder fragt? Die zwischen 30 und 50, die vielleicht noch Mitglied sind, aber längst innerlich woanders? Was bleibt, wenn man sich auf die Denkmäler der Vergangenheit beruft und sich dahinter versteckt?
„Hol den Vorschlaghammer“
Wer eine Zukunft will, muss radikale Schritte gehen. Und der erste Schritt kostet nichts außer Ehrlichkeit:
Was gerade passiert, reicht nicht aus. Bei weitem nicht.
Schluss mit dem Märchen von der wertvollen Arbeit, die schon irgendwie wirkt. Stattdessen die unbequeme Frage stellen: Wie kann die Hoffnung, die in uns ist, im Jahr 2026 wirklich weitergegeben werden? Nicht verwaltet. Nicht konserviert. Weitergegeben.
„Ich werd‘ die schlechtesten Sprayer dieser Stadt engagier’n / Die soll’n nachts noch die Trümmer mit Parolen beschmier’n“
Der Weg in die Zukunft wird wehtun – egal wie langsam man ihn geht. Aber die Alternative ist keine Alternative. Die Alternative ist das Museum.
Seid stets bereit, Rede und Antwort zu stehen, wenn jemand von euch Rechenschaft fordert über die Hoffnung, die in euch ist. (1. Petr 3,15 ZB)

