Ton Steine Kreuze
„Wenn die Nacht am tiefsten ist“, singt Rio Reiser. Ein Song, der mich getroffen hat wie ein Faustschlag in den Magen.
Wenn die Nacht am tiefsten ist – das ist der Zeitpunkt, an dem Jesus am Kreuz hängt. Alle Hoffnung der Jünger ist verloren. Viel tiefer kann die Nacht nicht sein.
Wenn die Nacht am tiefsten ist – Menschen bewegen sich oft erst, wenn sie keine andere Wahl haben. Solange man ein bestehendes System noch stützen kann, gibt es keinen Aufbruch. Das hörte ich in der Suchttherapie, die die Stützsysteme von Abhängigkeiten beleuchtet. Und das erlebe ich in den Strukturdebatten unserer Kirche.
Wenn die Nacht am tiefsten ist – dann ist da auch Rio Reiser.
Wenn die Nacht am tiefsten ist, ist der Tag am nächsten.
Ist der Tag am nächsten – das Kreuz war nicht das Ende. Es war der Wendepunkt. Der Tag kam, und der Stein war vom Grab weggerollt. Der Tod war überwunden. Kein „Alles-ist-jetzt-gut“-Moment, sondern der Beginn einer neuen Geschichte, die im Neuen Testament aufgeschrieben wurde und an der wir bis heute weiterschreiben.
Ist der Tag am nächsten – wenn Menschen sich aufmachen und Veränderungen angehen, dann bewegt sich etwas. Ob es erfolgreich wird, kann keiner sagen. Aber ein Aufbruch ist häufig der erste notwendige Schritt. Zukunft braucht diesen ersten Schritt. Nicht, weil dann sofort alles gut ist. Das gilt in der Behandlung von Suchterkrankungen – und wird auch in unserer Kirche so sein.
Wenn die Nacht am tiefsten ist, ist der Tag am nächsten!
Lasst uns das laut singen – denn darin liegt so viel Hoffnung in dunklen Zeiten. Danke, Rio!
Den Song von Ton Steine Scherben um den Liedsänger Rio Reisen findet ihr auf unserer Playlist.

