Föderation der Kirchen?

Föderation der Kirchen?

Foto einer Bahnstrecke die zum Horizont führt. Darauf das Wort "Wohin?"

Ich arbeite in der Kirche. Gerne. In der evangelischen Kirche, um genau zu sein – in einem Kirchenkreis, also auf der Ebene zwischen Gemeinde und Landeskirche. Und selbst mir, der ich beruflich mittendrin bin, sind die Strukturen unserer katholischen Schwesterkirche nur leidlich bekannt.
Ignoranz? Mitnichten. Aber ich frage mich: Wenn es schon mir schwerfällt, der ich mich bewusst damit beschäftige – wie soll das erst dem „einfachen Gläubigen“ gehen? Oder jemandem, der mit Kirche sowieso wenig am Hut hat?
Manchmal beschleicht mich das Gefühl, wir „in Kirchens“ sind so sehr damit beschäftigt, uns (voneinander) abzugrenzen, dass wir kaum noch wahrnehmen, wie weit uns das von der heilenden Botschaft Christi wegführt. Das fängt bei Fachsprache und Abkürzungen an und endet bei Dogmen und Lehrmeinungen.


„Spalter!“, ließ Monty Python 1979 die Volksfront von Judäa gegen die Judäische Volksfront wettern. „Wir spielen hier richtig, ohne Neunen“, hörte ich unlängst beim Doppelkopf. Und George Clooney sagt in O Brother, Where Art Thou?: „I don’t want Fop, goddamn it! I’m a Dapper Dan man!“ – als ihm die falsche Haarpomade angeboten wurde.
Regeln, die uns sortieren. Gruppen, die uns verorten. Jeder will dazugehören, keiner will falsch liegen.
In kirchlichen Strukturen ist das nicht anders – nur konsequenter institutionalisiert. Wir haben solche Regeln nicht nur, wir haben sie festgeschrieben, kommentiert, mit Gesetzen umgeben. Ja, Kirchen erlassen Kirchengesetze. Wenn schon, denn schon.
Über Jahrhunderte wurden aus Abgrenzungen Gräben, aus Gräben Grenzen. Mitunter mit echten Grenzkriegen, Zäunen und Mauern.


Hier kommt – natürlich – Star Trek ins Spiel. Die Vereinigte Föderation der Planeten ist ein wesentlicher Teil dieser so anziehenden Zukunftsvision: Die einzelnen Mitglieder der Föderation haben sich unter den gemeinsamen Zielen und Vorstellungen einer friedlichen Koexistenz, Handel, Freiheit, Wissenschaft, Erkundung und einer gegenseitigen Verteidigung zusammengeschlossen (1). Entscheidend dabei: Die Föderation verlangt keine Uniformität. Sie hält Vielfalt aus, weil die gemeinsamen Werte stärker sind als die Unterschiede.
Brauchen wir das auch – eine Föderation der Kirchen? Ansätze existieren: der Ökumenische Rat der Kirchen, die Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen oder die Stiftung Weltethos. Aber es fühlt sich noch sehr nach Vorstufe an.


Es gibt eine Morgenliturgie, die ich sehr mag. Sie stammt aus der Iona Community, die 1938 von George F. MacLeod in Schottland gegründet wurde, und findet sich im Buch Sinfonia Oecumenica (2) – einer viersprachigen Sammlung ökumenischer Liturgien. Darin ein Wechselgebet:


L: Wir bitten um den Anbruch des Reiches Gottes in unserer Welt. Unser Gott, Jesus hat uns gelehrt, dir in allem zu vertrauen. Wir nehmen ihn beim Wort und teilen seine Bitte:
G: Dein Reich komme, dein Wille geschehe.
L: Wo Christen das Reich Gottes in der Gestalt ihrer eigenen Kirche suchen, als ob Christus gekommen wäre, Grenzen zu errichten, statt sie einzureißen:
G: Dein Reich komme, dein Wille geschehe.


Der Weg in eine Zukunft, in der Menschen wieder für die frohe Botschaft gewonnen werden können, liegt nicht in Gräben und Abgrenzungen. Er liegt in Gemeinschaft und gegenseitiger Anerkennung. Wenn wir nicht zusammenstehen, heilen die Wunden der Vergangenheit nicht.


Darum schließe ich mit dem Ende des oben begonnenen Gebets:
Unser Gott, du hast den Anbruch deines Reiches unter uns angesagt.
Öffne unsere Augen, es zu sehen.
Öffne unsere Ohren, es zu hören.
Öffne unsere Herzen, es festzuhalten.
Öffne unsere Hände, für es zu arbeiten.
Das bitten wir im Namen Jesu.
Amen.

(1) Zitiert aus Vereinigte Föderation der Planeten | Memory Alpha, das Star-Trek-Wiki | Fandom

(2) Sinfonia Oecumenica: Feiern mit den Kirchen der Welt / im Auftr. des Evangelischen Missionswerks in Deutschland, Hamburg und der Basler Mission, Basel Hrsg. von Beatrice Aebi … – Basel: Basileia-Verl.: Gütersloh: Gütersloher Verl.-Haus, 1998

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert