Schwerer Weg: Kirche.

Schwerer Weg: Kirche.

Ein Bild einer zerstörten Kirche und junger Menschen mit Kerzen.

Wir haben uns gerade an die Kreuzigung erinnert. Manche Worte dazu sind zeitlos. Im Jahr 1979 sagte Eric Idle selbst am Kreuz hängend im ebenso zeitlosen Film Life of Brian:

„Ja, es gibt Dinge im Leben, die sind nun mal nicht schön. Das kann einen manchmal wirklich verrückt machen. Und dann passieren wieder Dinge, da schwörst und fluchst du nur. Wenn du nun am Knorbel des Lebens rumkaust, sei nicht sauer deswegen, nein pfeiff dir doch eins. Denn Pfeiffen hilft dir, die Welt auf einmal ganz anders zu sehen, verstehst du?“ Auch wenn die Übersetzung ins Deutsche ein wenig schmerzhaft erscheint, es gibt sie diese Tage, die einfach doof sind.

Manchmal will ich nur noch die Brocken hinschmeißen und mich in eine Ecke verziehen. Und ja auch und gerade, wenn man aktuell in der Kirche arbeitet. Die Evangelische Kirche ist ein System, das kleiner wird, denn die Mitgliedszahlen sind rückläufig, und damit auch die finanziellen Ressourcen.

Strukturwandel heißt es dann.

Und es gibt Tage, da könnte ich nur noch im Strahl kotzen. Wenn Jugendarbeit gekürzt wird, weil wir denken, junge Menschen nicht mehr für unsere Zukunft zu brauchen. Wenn Grenzen um Gemeinden gezogen werden, als ob Christus gekommen wäre, um Grenzen zu ziehen, statt sie zu überwinden[1]. Wenn wir so versessen auf das sind, was in der Vergangenheit schon nicht funktioniert hat, dass wir nichts Neues angehen können.

Und nein, auch ich kenne die Zukunft nicht und habe nicht die Lösung, weil ich glaube, dass es die Lösung nicht gibt. Die Situation ist eben komplex, (im Sinne des Cynefin Frameworks) keine Lösung, nur Ideen. Und diese Ideen müssen wir ausprobieren und dabei Fehler machen, daraus lernen und wieder anfangen. Wird dieser Weg leicht? Zum Henker nein, der wird schwer. Aber wer kennt heute schon noch leichte Wege in eine ungewisse Zukunft?

Vielleicht schaffen wir das, bevor wir die Kirche zusammen mit ihren letzten Mitgliedern beerdigen?

Warum, so frage auch ich mich, tue ich mir das an? Was ist noch eine Motivation, jeden Tag aufs Neue in einem System zu arbeiten, das sich nicht ändern will?

Warum arbeitet Rose Tico als Wartungsarbeiterin beim Widerstand? Im Imperium der neuen Ordnung ist der Kampf des Widerstandes ein verlorener. Zu mächtig ist der Feid, zu gering die Anzahl der Menschen, die sich gegen die Ordnung auflehnen. Dabei ist ihr Weg ein sehr einfacher: „Nur so werden wir gewinnen: Nicht bekämpfen, was wir hassen, sondern retten, was wir lieben.“

Die Situation, in einer hoffnungslos erscheinenden Situation, gegen ein übermächtiges Imperium gestellt zu sein, kennen wir auch in der Kirche. Das Volk Israel wartet auf den Erlöser, der strahlend in den Kampf zieht, um das römische Imperium zu vertreiben. Wer kommt ist Jesus. Und so steht geschrieben: „Seid niemandem etwas schuldig, außer dass ihr euch untereinander liebt; denn wer den andern liebt, der hat das Gesetz erfüllt. Die Liebe tut dem Nächsten nichts Böses.“ (Rö13,10 LUT) 

Ich kämpfe nicht dafür, dass es morgen noch eine Kirche, mit Gebäuden und Strukturen gibt. Ich kämpfe, dass es morgen noch Liebe gibt und die Hoffnung, dass wir als Christen einander und den Nächsten in Liebe zuwenden. Wenn wir dafür mittelalterliche und stadtbildprägende Kirchen abreißen müssen, dann her mit dem Bagger!

Weil diese Kirche im Kern etwas in sich trägt, dass größer ist als Sonntagsmorgen Gottesdienste und schrumpfende Gemeinden: Hoffnung. Und die stirbt nicht, nicht einmal am Kreuz, in abgerissenen Kirchen oder im Strukturwandel.


[1] Vgl Sinfonia Oecumenica S.62; Gütersloher Verlagshaus

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