Ich mache alles neu – mit Lego!
Gott spricht: Siehe, ich mache alles neu! Offenbarung 21,5
Ich kaufe mein Lego meistens gebraucht. Schon aufgebaut. Kleine Häuschen, bunte Fassaden, Dinge, die irgendwo in deutschen Kinderzimmern jahrelang rumstanden, bis jemand beschlossen hat: „Brauchen wir nicht mehr.“ Garantiert nicht vollständig.

Dann stehen sie bei mir im Regal.
Und sie sind … niedlich. Wirklich. Knallbunt, irgendwie charmant, kleine Welten im Mini-Format. Und ich merke jedes Mal: Ich kann mich kaum überwinden, sie auseinanderzunehmen. Obwohl ich sie genau dafür gekauft habe.
Diese Häuschen sind hinten offen, fünf, sechs Zentimeter tief. Reine Kulisse. Mehr Schein als Sein. Sie sehen aus wie Häuser, sind aber keine. Man kann daraus nichts bauen, nichts sinnvoll verändern, nichts weiterdenken. Dekoration halt.

Und trotzdem zögere ich. Weil sie hübsch sind. Weil schon jemand Zeit reingesteckt hat. Weil sie „fertig“ wirken.
Letztens habe ich meinem Patenkind einen Lego-Baum geschenkt. Mit extra vielen Blättern, Blumen, allem Drum und Dran. Er beschwert sich nämlich regelmäßig, dass es in Lego-Sets viel zu wenig Landschaft gibt. Zu wenig Grün. Zu wenig Blätter für die Bäume. Immer nur Gebäude, Fahrzeuge, Action.
Früher war das einfach für ihn: Ich habe ihm etwas Gebautes geschenkt – ein paar Stunden später war alles zerlegt und irgendwas völlig Neues entstanden. Keine Gnade. Keine Sentimentalität.
Diesmal guckt er den Baum an und sagt: „Nee. Den nehme ich nicht auseinander. Der ist zu hübsch.“

Tja. Willkommen im Club.
Mit sieben weiß man anscheinend schon: Ich kriege das so vielleicht nie wieder hin. Es gibt keine Anleitung dafür. Wenn es weg ist, ist es weg. Mit vier ist das egal. Da wird erstmal auseinandergerupft und geguckt wie es aufgebaut ist.
Und trotzdem:
Wenn ich wirklich etwas Neues bauen will – richtige Häuser, rundherum geschlossen, mit Landschaft dazwischen, mit Bäumen, Wegen, kleinen Welten – dann führt kein Weg daran vorbei.
Ich muss diese kleinen fertigen Dinge auseinandernehmen, weil ich sonst nicht an die Steine komme um an meiner Legolandschaft weiterzubauen.

Die Jahreslosung für 2026 lautet:
„Siehe, ich mache alles neu.“
Steht in der Offenbarung.
Da denken wir vielleicht an Chaos, Zerstörung, Weltuntergang. Alles geht kaputt, bevor irgendwas besser wird.
Dabei war das Buch ursprünglich als Trost gedacht. Als Ermutigung.
Vielleicht ist es gar nicht so sehr die Botschaft, die uns Angst macht, sondern die Bilder, die wir im Kopf haben.
Vielleicht sollten wir weniger an Weltuntergang denken und mehr an Lego.
Neu heißt nicht: sinnlos kaputtmachen.
Neu heißt: auseinandernehmen mit Plan. Sortieren. Gucken, was da ist. Und dann etwas bauen, das wirklich taugt.
Eine Welt, die nicht nur hübsch aussieht, aber hinten offen ist.
Keine Fassaden, hinter denen es für die Leute, die darin leben, eigentlich gar nicht gut ist.
Keine Welt, in der ein paar auf riesigen Haufen von Legosteinen sitzen, während andere nicht mal genug Blätter haben, um einen Baum zu bauen.
Das war die ursprüngliche Idee von Lego: Dass man Steine immer wieder neu zusammensetzen kann. Dass Fantasie wichtiger ist als Anleitung. Im Moment gibt es Sets zur LEGO Serie Dreamzzz, die aussehen, als hätte jemand wild in der Kiste gewühlt: Dinosaurier aus Autokarosserien, schräges Zeug, total kreativ. Aber am Ende ist da eine Anleitung, die dafür sorgt, dass man das Set nur auf eine oder zwei Arten zusammenbauen kann.
Der eigentliche Lego-Spaß beginnt für mich da, wo die Anleitung endet.
Und vielleicht ist das die Verheißung der Jahreslosung: Gott sagt nicht: „Ich mache erst mal alles kaputt.“
Nicht: „Alles wird erstmal zerlegt und dann schauen wir mal.“
Sondern: „Ich weiß, was ich tue. Ich habe einen Plan.“
Die Offenbarung nennt das ein neues Jerusalem.
Eine Stadt, in der Platz ist. Für alle.
Eine Welt, in der es nicht nur gut aussieht, sondern den Menschen darin auch wirklich gut geht.
Gott sagt: „Siehe, ich mache alles neu.“
Dafür muss manches auseinander aber nicht, um es zu zerstören.
Gott baut schneller und besser, als wir es je könnten, ganz ohne Anleitung, damit endlich genug Steine da sind für eine Welt, die wirklich trägt.

