„Neu mache ich alles“

„Neu mache ich alles“

Gott macht alles neu.
Das ist keine Schöpfung aus dem Nichts.
Das göttliche Neu-Machen ist kein Reset,
kein Zurückstellen auf Werkeinstellung.
Es ist eine Transformation, eine Wandlung.

© Jonah Klee

Jedes Jahr im Winter,
im Übergang vom einen zum anderen Jahr,
beginne ich einen neuen Kalender.
Die leeren Seiten füllen sich nach und nach.
Wofür bin ich dankbar?
Was möchte ich erleben?
Was sind meine Ziele für das Jahr?
Violette Buchstaben auf weißem Papier.

Auch das Internet ist voll von Zielen.
Von Vorsätzen: Die Brettspielsammlung sortieren,
zur Leipziger Manga Comic Con fahren.
zu allen Meetings der Nerdchurch kommen!
Selbst wenn man keine Vorsätze hat,
wird man mit ihnen konfrontiert.

Neues Jahr. Alles neu.
Und was wird aus mir selbst?
Vielleicht eine bessere Version von mir.
Dieses Mal so wirklich, so richtig.
Oder etwa doch nicht?
Siehe, ich mache alles neu.

Ich habe schon oft „neu“ angefangen.
Ich bin mehrmals umgezogen, in neue Orte.
Ich habe immer wieder neue Sachen ausprobiert.
Vor zwei Jahren war ich auf meinem ersten LARP.
Und dieses Jahr spiele ich zum ersten Mal „Shadowrun“!
Darauf bin ich wirklich schon sehr gespannt.
Auch meine Arbeitsstelle habe ich schon öfter gewechselt.

Manchmal denkt man dann ja:
Dieses Mal wird alles anders.
Das wird ein richtiger Reset.
Ich kann mich jetzt ganz neu erfinden.
Alberner sein, ausgeglichener, aufmerksamer.
Ich könnte mal keine waldverliebte Elfe spielen,
sondern einen voll bewaffneten Krieger.
Aber – das funktioniert natürlich nicht.
Schon nach ein paar Wochen erkenne ich vertraute Muster.
Ja, manches wird anders, läuft anders.
Aber eben nicht alles – denn ich bin dieselbe Person.

Siehe, ich mache alles neu.
ἰδοὺ καινὰ ποιῶ πάντα.
So steht es im griechischen Original, in Offenbarung 21,5.
Neu mache ich alles – klingt fast so, wie Meister Yoda es sagen würde.

Denn das bedeutet etwas,
was vorher noch nicht da war.
Gott macht alles neu.
Das ist keine Schöpfung aus dem Nichts.
Das göttliche Neu-Machen ist kein Reset,
kein Zurückstellen auf Werkeinstellung,
sondern eher eine Art „Respawn“.
Es ist eine Transformation, eine Wandlung.
Eine, die sich langsam tastend nach vorn bewegt.
Die respektvoll mit dem Vergangenen umgeht,
um daraus Neues werden zu lassen.
Gott heilt, was jetzt noch nicht gut ist,
wischt die Tränen ab, beendet das Leid.
Gott wohnt unter den Menschen.

Und diese Verheißung zielt auf die Vollendung.
Sie beginnt schon jetzt, mitten in dieser Welt.
Gott schenkt Hoffnung, dass die Gewalt ein Ende hat,
dass die Mächtigen vom Thron gestürzt werden
und die Niedrigen erhöht.
Gott erneuert die Welt –
und nimmt uns hinein in sein Neu-Machen.
Das ist die Kraft des Evangeliums.
Es schafft neue Perspektiven für eine Welt,
die gerechter, friedlicher und versöhnter ist.

Damit Gott unter uns wohnen kann,
damit sich die Kraft des Evangeliums entfalten kann,
braucht es Raum für Gott in unserem Leben.
Und wenn Gott unter uns ist –
liegt Segen auf dem „Neu-Werden“.
Der Welt, der Kirche, bei dir und mir.

Siehe, ich mache alles neu.
Schau hin – auf Gottes Wirklichkeit.

Für Gott muss ich nicht ganz neu werden.
Ich brauche nicht Jahr für Jahr einen Reset.
Gott begleitet mich kontinuierlich in meinem Werden.
Gott schreibt sich hinein in mein Leben,
in meinen Kalender, in meine Vorsätze und Ziele,
in das, was schon da ist und in das, was noch werden will.
Amen.

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Hinweis: Für diesen Beitrag habe ich mich von den Ausführungen von Tobias Faix inspirieren lassen.