Vergoldete Narben
Kintsugi ist eine aus Japan stammende Technik, die zerbrochene Keramik mit einem goldenen Kleber verziert. Die Risse werden nicht versteckt, sondern sichtbar gemacht. Der Blumentopf – zerbrochen. Die Scherben wieder zusammengefügt. Der Riss durch das Gold sichtbar. Anders, nicht weniger schön als vorher.
Als ich diese Technik selbst ihm Rahmen eines Wohnzimmergottesdienstes ausprobieren durfte waren sofort diese Zeilen in meinem Kopf: „I broke into a million pieces and I can’t go back. But now I see the beauty in the broken glass. The scars are part of me.“ Das sind Textzeilen aus dem Lied „What it sounds like“ aus dem Film Kpop Deamon Hunters. (Ihr finde das Lied auf unserer Playlsit.)
Jeder von uns hat etwas erlebt, das prägend ist. Sowohl positives wie negatives. Doch das Negative soll versteckt werden, das soll niemand sehen.
Ich finde es toll, dass das Thema psychische Gesundheit mittlerweile präsenter ist. Es ist keine Schwäche sich professionelle Hilfe zu suchen. Es ist stark und mutig – und sollte völlig normal sein!
Ich habe geweint, als ich das Lied das erste Mal gehört habe! Und an manchen Tagen steigen mir immer noch Tränen in die Augen. Ich fühle mich gesehen, verstanden, nicht mehr einsam!
Ich muss nicht gleich jedem meine Verletzungen und wunden Punkte offenlegen, aber ich brauche sie auch nicht zu verstecken und mich dafür zu schämen.
Trotz meiner Verletzungen und Narben werde ich von meinen Freunden und von meiner Familie geliebt und unterstützt. Ich weiß, dass ich nicht allein bin.
In meinem Glauben finde ich zusätzliche Kraft:
„Der Herr ist nahe denen, die zerbrochenen Herzens sind,
und hilft denen, die ein zerschlagenes Gemüt haben.“ Psalm 34,19 Lutherbibel 2017

