LARP – Kirche – Zukunft

LARP – Kirche – Zukunft

ein Mann in Ritterrüstung steht vor einer Kirche

Verwandlung durch Vorbilder

Vor einiger Zeit schrieb Markus auf diesem Blog etwas zum Thema LARP mit Kindern: Die Magie der Verwandlung. Er beschrieb, wie Kinder in neue Rollen schlüpfen, sich auf unbekanntes Terrain begeben und – in sicherer Umgebung – sich selbst ausprobieren können.

Mir kam dabei sofort der Gedanke: Können sie sich wirklich in etwas verwandeln, das nicht schon in ihnen angelegt ist? Ist es nicht eher ein Entdecken als ein Erfinden? Diesen Gedanken teilte ich mit meiner Frau. Ihre Antwort: „Das stimmt so nicht. Es muss nicht in den Kindern sein – es reicht, wenn sie ein Vorbild haben, an dem sie sich orientieren können.“ Und damit hatte sie wohl recht.

LARP als Spiel mit Identitäten

Im LARP orientieren sich viele Rollen an Vorbildern aus Büchern, Filmen oder Spielen. Wie sich ein Elf verhält, ist spätestens seit Der Herr der Ringe im Kino klar. Was einen Ork ausmacht, hat World of Warcraft gelehrt. Und ein Magier? Der ist – natürlich – Harry Potter.

Diese Rollen sind nicht von Anfang an in uns angelegt. Aber sie werden durch Medien zugänglich, greifbar, spielbar. Und solange uns in jeder Nachrichtensendung Donald Trumps Gesicht entgegenblickt, wissen wir auch, wie ein arroganter, egomanischer Herrscher zu spielen ist.

Weniger präsent – aber nicht weniger spannend – sind andere Rollen: der leise, bescheidene Erzmagier Ged aus Erdsee, die namenlosen Bauern in zahllosen Fantasyromanen oder die verlorenen Kinder aus Peter Pan. Gerade darin liegt der Reiz von LARP: Alles kann ausprobiert werden. Und mit der Zeit zeigt sich, welche Rollen wirklich zu einem passen.

Kirche als Raum für Rollenexperimente?

Doch wie sieht das in kirchlichen Kontexten aus? Wo gibt es dort noch Räume, in denen Menschen neue Rollen ausprobieren können? Wie können junge Menschen dazu ermutigt werden, sich einmal in die Rolle einer Pfarrerin, eines Diakons oder einer Gemeindepädagogin zu versetzen – einfach, um zu sehen, ob diese Rolle zu ihnen passt?

Außerhalb der Jugendarbeit sind junge Menschen immer seltener Teil der Gemeinschaft, die sich Kirche nennt. Und wenn keine Begegnung mehr mit kirchlichen Vorbildern stattfindet – wie sollen dann neue Rollenbilder entstehen?

Was der Zivildienst mit dem Finden der eigenen Zukunft zu tun hatte

In vielen diakonischen Einrichtungen war der Wegfall des Zivildienstes ein tiefer Einschnitt. Dieses eine Jahr bot jungen Männern die Möglichkeit, mit Menschen in Kontakt zu kommen, Verantwortung zu übernehmen und herauszufinden, ob soziales Engagement zu ihnen passt. Viele sind geblieben – weil sie sich ausprobieren durften.

In der kirchlichen Jugendarbeit gibt es solche Begegnungen noch: mit Diakoninnen, Pädagogen, Haupt- und Ehrenamtlichen. Sie können zu Vorbildern werden. Doch die Zahl derer, die ein Theologiestudium beginnen, ist stark rückläufig – deutlich stärker als im diakonisch-pädagogischen Bereich. Vielleicht liegt das auch an der fehlenden Sichtbarkeit dieser Rollen?

Kirche als LARP denken

Vielleicht müsste Kirche mehr wie ein LARP sein: ein Raum, in dem Menschen sich ausprobieren dürfen. In dem Rollen sichtbar werden. In dem es erlaubt ist, zu scheitern, neu zu beginnen, sich zu verwandeln. In dem Menschen gefeiert und unterstützt werden, wenn sie neue Wege gehen.

Und wenn ein „Charakter stirbt“ oder ein „Plot scheitert“? Dann braucht es eine Gemeinschaft, die trotzdem an die Menschen glaubt – und an die Kraft, aus Fehlern zu lernen und neue Geschichten zu schreiben.

Ein Mann in Priesterrobe steht im Altarraum einer Kirche

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