Ist die Figur am Kreuz Halloween Deko?
Und wieder fühlen sich große und kleine Kirchenfürsten dazu berufen, über den Spaß unserer Kinder zu Halloween zu urteilen. Häufig mit einem diffusen Verweis auf Dämonen und irgendwelche Wurzeln in keltischer Zeit. Vor allem die Evangelischen sind sehr geknickt, dass ihr Reformationstag so wenig gefeiert wird.
Wer sich auch nur 30 Minuten mit den Fakten über das Halloweenfest beschäftigt, wird schnell feststellen, dass das heutige Fest keine keltische Wurzeln hat. Und dass der Bezug zu den Toten wohl eher aus den christlichen Wurzeln Allerheiligen und Allerseelen stammt. Ich empfehle da mal Prof. Dr. Bernhard Maier zuzuhören (Podcast „Erleuchtung garantiert“ , Von Samhain zu Halloween? – Bernhard Maier über Kelten, Kontinuitäten und Kommerzialisierung)
Halloween erfreut immer größerer Beliebtheit – und wird kommerziell gut ausgeschlachtet. Ganz anders als der Reformationstag und sonstige kirchliche Feste. Ist das nun eine Gefahr für die christlichen Fest und Feiertage?
Naja, da die Evangelischen Christen es so unnachahmlich verstehen, alles, was Spaß macht, aus ihren Traditionen und Häusern zu verbannen, würde ich mal sagen, ja. Aber die Ursache liegt nicht im Fest Halloween, sondern in einer reformatorischen Strenge und Freudlosigkeit. Selbst Schuld.
Nun begab es sich jedoch, dass zu Halloween 2025 in einer Kirche in Bielefeld Brake ein Kneipenquiz stattfand. Viele Menschen in Verkleidung kamen zusammen, um miteinander Spaß zu haben. Die Kirche war – nach evangelischen Maßstäben- voll. Ein Foto von dem Quizmaster im Altarraum, regte dann die Frage an: „Ist die Figur am Kreuz Halloween Deko?“
Und diese lustige Frage, wirft eine ernste Frage auf: Wenn zu Halloween Grusel und die Lust am Verkleiden zelebriert wird, könnten dann auch die Darstellungen Christi am Kreuz als Halloween Deko abgetan werden.
Denn seien wir ehrlich: Die zentrale Darstellung in unseren Kirchen, ist eine brutale und entmenschlichende Darstellung einer Folter- und Tötungsmethode, die öffentlich und abschreckend Menschen entwürdigt und quälend langsam getötet hat. Keine Halloween Deko kommt da mit! In einem Nicht-Christlichen Umfeld, würden Elternverbände Sturm laufen, wenn solche Darstellungen an den Wänden von KiTas und Klassenzimmern zu sehen wären.
Also, kurz mal durchatmen. Wenn Kinder an Halloween Spaß am Verkleiden und Erschrecken haben, und damit in guter Tradition von Otfried Preußlers „Die kleine Hexe“ dem Schrecken mit Lachen und Verkleiden begegnen, dann können Kirchenmenschen ganz entspannt bleiben. Wir sollten vielmehr unruhig werden, wenn wir es nicht mehr schaffen, unsere Inhalte an Kinder zu vermitteln. Wenn wir aufgrund finanzieller Nöte Kinder- und Jugendarbeit abbauen wird auch eine Empörung über „heidnische“ Feste uns nicht retten.
Also, bei Halloween 2026: Durchatmen, Süßigkeiten bereitstellen und „Let the children play“!

