Small Gods – wenn Fantasy Kirche hinterfragt
Was wäre, wenn Gött*innen ihre Macht durch den Glauben ihrer Anhänger*innen bekommen würden?
In Terry Pratchetts Scheibenwelt-Romanen ist das so.
Gottheiten sind sehr mächtige Wesen – solange genügend Menschen sie verehren.
Der große Gott Om hat darum ein Problem. Eigentlich hat er eine riesige Kirche, die in ganz Omnien verbreitet ist. Doch während alle Gottesdienste wie geplant vonstatten gehen, die Kirche in andere Länder expandiert und die Inquisition Leute traktiert, ist Om zu einer winzigen Schildkröte geworden. Er hat nämlich nur noch einen einzigen echten Gläubigen. Zum Glück trifft der depotenzierte Gott auf der Flucht vor einem hungrigen Adler auf seinen letzten Anhänger: Brutha, Novize und Tempelgärtner. Wie Om es schafft, nicht gefressen zu werden, was er auf einer sehr zweifelhaften ‚Missionsreise‘ erlebt und ob es ihm gelingt, ein paar Gläubige zurückzugewinnen, kann mensch in Terry Pratchetts Fantasy-Roman ‚Einfach göttlich’ nachlesen.
‚Small Gods‘, wie das englische Original heißt, nimmt Lesende nicht nur mit hinein in das ganz besondere Pantheon der Scheibenwelt, mit Gestalten wie dem lispelnden Krokodilgott Offler und der Lady, die für Chancen von 1 : 1.000.000 zuständig ist.
Vor allem beschreibt das Buch eine Kirche, die sehr gut ohne ihren Gott auskommt.
Ich habe aus dem Buch viele Fragen mitgenommen.
Halten auch wir in der Kirche manchmal einen jahrhundertealten Betrieb um seiner selbst willen aufrecht?
Der Sinn von Kirche liegt darin, dass sie für andere da ist. Besonders deutlich betonte das Dietrich Bonhoeffer. Erkenntnis und Existenz gehören zusammen. Ich habe eigentlich nichts begriffen, wenn ich es nicht auch lebe – für und mit Menschen.
Zum Glück erlebe ich Kirche oft als sozial engagiert und mit einem großen Herzen für Klima und Umwelt.
Aber wie bemerke ich, ob Kirche sich nicht auch manchmal nur um sich selbst dreht oder ob ihr G*tt und Welt wirklich wichtig sind?
Reicht uns manchmal unser Bild von G*tt – und G*tt selbst würde uns eigentlich in unserem (Glaubens)Leben mehr stören als begeistern?
Und gibt es andererseits nicht tatsächlich Glaubensformen, die mit einer Haltung daherkommen, als bedürfe G*tt genau ihres Glaubens? Dabei bedürfen wir G*ttes.
Ich ahne, dass die Antworten auf diese Fragen mit der Liebe und Demut zusammenhängen, in der wir mit den Menschen und allen Mitgeschöpfen um uns herum unterwegs sind. Und damit, ob wir neugierig bleiben auf G*tt oder meinen, schon alles zu wissen.
Was denkt ihr?

