bookmark_borderWinter is coming … Gott ist groß!

Gott ist groß – AMEN!
Gott ist groß – was heißt das. „Allahu akbar“ heißt im Arabischen „Gott ist groß.“ Und….?
Ich bin unlängst über diese Worte in einem evangelischen Text gestolpert und kam darüber ins Nachdenken. Welche Aussage treffe ich mit diesen Worten und welche Bedeutung haben sie für mich?


Die Adelshäuser in Westeros haben alle ihre Worte. Sie grenzen sich damit gegen die anderen Häuser ab und beanspruchen von den Mitgliedern ihres Hauses und ihren Feinden Respekt.
„Wir säen nicht.“ – Haus Graufreund. Die Menschen der Eiseninseln, die von und mit dem Meer leben, sagen diese Worte. Und sie rechtfertigen damit ebenso ihre Lebensweise, auch wenn sie auf Raubzug gehen.
Die Lennisters im Zeichen des Löwen haben die Worte „Hör mich brüllen.“ gewählt und beanspruchen als großes Haus damit die Herrschaft über andere.
Das Haus Tagaryen, das Haus der Könige, spricht mit „Feuer und Blut“ von sich. Sie, die über die Drachen herrschen, tragen angeblich das wahre königliche Blut.
Und last but not least „Der Winter naht“, das Haus Stark. Als Wächter im Norden und an der Grenze soll dieser Spruch Mahnung zur Wachsamkeit und Warnung vor den Feinden sein.
Die Worte dienen als Warnung, als Abschreckung und als Sinnspruch für die Mitglieder eines Hauses. Auf sie wird Bezug genommen um das eigene Verhalten zu rechtfertigen, sei es auch noch so feindselig, menschenverachtend und selbstherrlich.
Ist „Gott ist groß“ der Sinnspruch des religiösen Adelshauses? Oder der Christen? Oder der Muslime?
Was sagt das aus, dieses „Gott ist groß“?
„groß“ ist ein Adjektiv, also ein Eigenschaftswort. „groß“ ist in diesem Fall die Eigenschaft Gottes. Aussagen darüber „Wie Gott ist“ finde ich immer schwierig.
„groß“ ist zudem nichts absolutes, auch wenn es so verstanden wird. „groß“, was bedeutet das? Ist ein Riese groß? Im Vergleich zu einem Zwerg, ja. Im Vergleich zu einem Drachen eher nein. „groß“ bedarf der Einordnung. Im Verhältnis zu wem oder was  ordnen wir Gott ein? Zu anderen Göttern? Zu uns Menschen?
Und was sagen diese Worte über mich, meine Beziehung zu Gott aus? Gott ist groß – ich bin klein, diese Worte sind schmutzig – ist das nicht putzig – Poesiealbumssprüche? Was sagt es darüber aus, wer ich bin? Was sagt es über mein Leben aus? – Wenig, finde ich.
Ich halte persönlich nicht viel von Sinnsprüchen oder leeren Phrasen, die um ihrer selbst willen Gültigkeit beanspruchen. Ich brülle keine Parolen, die ich nicht verstehe. Ich wiederhole nicht Worte, deren Sinn ich nicht kenne, auch wenn sie viele tausend Jahre alt sind. Entweder sie haben für mich und mein Leben Relevanz, oder eben nicht. Darum lerne ich auch die Bibel nicht auswendig und schmeiße nicht bei jeder (un)passenden Gelegenheit einen Bibelvers in die Runde.
Als Christen tun wir, so meine ich, gut daran, keine Worte für unser Haus zu suchen. Wollen wir wirklich unsere gesamte Religion, unsere Verschiedenheit, unsere Pluralität in drei oder vier Wörtern zusammenfassen? Und dann, in welcher Sprache und welchem Kontext?
Aber auch ich habe so einen Sinnspruch, meine persönlichen Worte. Ich brülle sie nicht heraus, ich beanspruche mit ihnen keine absolute Wahrheit, sondern nur meine Wahrheit.
Mit meinen Worten bin ich aufgewachsen und sie spielen in meinem Leben eine Rolle. Sie gehören erst einmal nur mir. Kein Mensch kann sie angreifen, denn sie entziehen sich dem Einfluss anderer Menschen. Was andere Menschen tun und glauben, hat auf diese meine Worte wenig Einfluss.
Ganz klein und bescheiden sind meine Worte, manchmal finde ich sie fast unbedeutend und ein wenig zerbrechlich.
Sie lauten „Gott liebt mich.“
Ich baue auf dieser Einstellung keine Weltreligion auf, ich beanspruche nicht von anderen Menschen, dass sie diese Worte ebenso nachsprechen und für sich akzeptieren. Liebe will nicht, Liebe ist.
Ich hoffe ihr habt auch eure Worte, die ihr versteht, die zusammenfassen was euch mit Gott verbindet. Und wenn nicht, dann sucht danach. Sucht für euch in Gesprächen und im Gebet. Aber lasst euch von niemandem sagen, wie sie zu lauten haben. Ihr findet sie nur in euch selbst, ganz tief im Herzen.
Amen

Malte Hausmann

bookmark_borderVorfreude und Advent

Habt ihr im Advent mal dieses wohlige Gefühl (gehabt)? Vorfreude auf das Fest?
Ein Text, den ich vor Kurzem gelesen habe, berichtete von der Beobachtung, dass gerade diese Vorfreude im Verhalten unserer Gesellschaft verloren geht und man diese aktiv wieder ins Leben holen müsse. Die instant gratification der sozialen Netzwerke ist in den Vordergrund gerückt. Ich warte also nicht wie früher darauf, dass etwas geschieht, sondern bin so damit beschäftigt, Aufmerksamkeit zu erhaschen, das nächste Foto zu machen und zu posten, dass ich für Vorbereitung und Vorfreude keine Zeit mehr habe. Ruhelosigkeit wird darin kritisiert, das Nicht-Erwarten-Können.
Ich weiß nicht, ob es euch genauso geht, aber ich sehe das für mich anders. Ich sehe nämlich gerade, dass Nerdculture es schafft, immer wieder neue Momente der Vorfreude bei mir zu schaffen. Wenn die ersten Hints für die neue Dr. Who-Staffel bekanntgegeben werden. Wenn ich den Diablo 4 Teaser sehe und weiß, das dauert bei Blizzard noch Jahre, bis ich das spielen kann. Am schlimmsten ist es bei mir, wenn ich meinen nächsten Rollenspiel-Stream terminiert habe und die ganze Zeit die Gedanken in meinem Kopf umherschwirren. Bis es wirklich passiert, weiß ich ja nicht, was mir begegnet. Das weckt unglaubliche Vorfreude. Unruhe in den Beinen und im Kopf.
Den gleichen Effekt ruft ansonsten nur die Mitarbeit in der Kirche in mir hervor. Ich habe mich tagelang auf den Ausflug mit meiner Konfigruppe auf den Weihnachtsmarkt gefreut. Ich hatte nämlich vor, sie mit der vorbereiteten Aufgabe, Leute zu segnen, in der Innenstadt umherzuschicken. Ich war gespannt, ob und wie das funktionieren würde. Wie die Konfis ob der Aufgabe erst einmal schauen würden wie ein Pferd. Und was sie damit dann wohl für Erfahrungen machen. Es erreichte die erwartete Wirkung: eine Menge unterschiedliche Erfahrungen, von denen die Konfis berichten konnten.
Ich glaube, das ist es, was bei mir Vorfreude weckt: Das Warten auf die nächste Erfahrung. Die Neugier, was passieren wird. Und genau das bekomme ich eben in zwei Kontexten: in der Gemeinde und in der Nerd Culture.

Felix Klemme, Pfarrer in einer Einzelpfarrstelle in einem Vorort von Paderborn, ist 33 Jahre alt und begeistert von Science Fiction in jeglichen Formen, sowie dem Pen and Paper-Rollenspiel Das Schwarze Auge (DSA). Er streamt auf seinem YouTube-Kanal (PoelleRPG) gerade die größte Kampagne dieses Rollenspiels und liebt es, Geschichten mitzuerleben und zu erzählen.

bookmark_borderEs kommt ein (Raum-)Schiff gela-ha-a-den …

„Bereitet dem HERRN den Weg; denn siehe, der HERR kommt gewaltig.“ | Jes 40,3.10

Sie brauchen dringend einen Helden, die Thermianer. Lange schon verfolgen sie die Fernsehausstrahlungen von „historischen Dokumenten“ über das Raumschiff Protector und seine Crew, die vom Planeten Erde stammen.
Dass es sich gar nicht um „echte“ Helden, sondern um Schauspieler in einer Science-Fiction-Serie handelt, ist ihnen dabei nicht klar.
Galaxy Quest ist ein großartiger Film, der mich immer wieder fröhlich stimmt, perfekt für die Weihnachtsliste der NERD-Frau. Wer ihn noch nicht gesehen hat, sollte hier aufhören zu lesen und das erst mal erledigen.

Wer genau eigentlich das Zeug zum Helden hat, das kann niemand so recht bestimmen. Von außen betrachtet mag die christliche Erwartung, dass ein gekreuzigter, vor ca. 2000 Jahren verstorbener Zimmermann irgendwann wiederkommen und die Welt retten wird, eigentümlich wirken. Wer dazugehört erwartet genau das, wie auch immer es dann vonstatten gehen wird, die historischen Dokumente sind sehr interpretierbar. Stay tuned.

Auch die Thermianer überraschen mit der Wahl ihrer Helden. Aber es stellt sich heraus, dass sie die Lage gar nicht so falsch eingeschätzt haben, die, die sie sich zur Hilfe holen, liefern dann doch eine ganz überzeugende Performance ab.
Nun ist Galaxy Quest eine Parodie und Komödie, aber die hochkarätige Besetzung weist schon darauf hin, dass es sich keineswegs um einen B-Movie handelt. Da gibt es so Einiges zu entdecken, was zum Nachdenken und Andachtschreiben anzuregen vermag.
Für heute, weil es Advent ist und weil der Wochenspruch mich drauf gebracht hat, möchte ich nur eines besonders betonen: Die Thermianer setzen sich nicht auf ihre Hände und hoffen, dass ein (Raum-)Schiff kommen wird, geladen mit Rettern und Helden, dereinst, wenn es die Crew der Protector mal in die Gegend verschlägt. Stattdessen bauen sie selbst ein Raumschiff, entwickeln Technik und reisen ihren Helden entgegen um sie abzuholen. Sie rollen ihnen quasi den roten Teppich aus. Sie lassen nicht locker darin, ihre Retter zu sich zu holen. Sie bereiten ihnen einen Weg.

„Bereitet dem HERRN den Weg; denn siehe, der HERR kommt gewaltig.“

bookmark_borderDas Licht der Welt

„Ich bin das Licht der Welt. Wer mir nachfolgt, wird nicht in der Finsternis umhergehen, sondern wird das Licht des Lebens haben.“

Die letzte Frage, auf der alles gründet, scheint doch zu sein: War Jesus‘ entscheidende Tat sein Sieg über meine Sünde am Kreuz oder war es die Gründung der Kirche als Vollzugsbehörde? Da ich eher Fan der Avengers bin als des deutschen Finanzamts, bin ich halt Protestant.

Am Ende stirbt Tony Stark. Er opfert sich für die eine Hälfte allen Lebens, die durch den Infinity Stone ausgelöscht wurde.

Am Ende ist es ein Einzelner, der für die Vielen in die Bresche springt.

Am Ende sind es nicht die Avengers oder sogar S.H.I.E.L.D, die die Wendung bringen. Klar, beide Gruppen sind beteiligt, die Avengers tragen ihren Teil dazu bei.

Aber am Ende steht und fällt es mit Iron Man.

Und es war eben nicht der Aufbau einer Schutzorganisation durch ihn und es waren auch nicht seine brillanten Verwaltungsfähigkeiten, die entscheidend waren. Es war zum Letzten nichts weiter als seine Liebe zu den Lebenden und sein Mut (und ein kleines bisschen Größenwahn). Dieser letzte Punkt des gesamten Avengers-Epos ist der Entscheidende. Darauf läuft es zu.

Sicherlich: Iron Man ist kein Jesus Christus. Er ist nicht mal ein Gott oder ein außerirdischer Superheld, ist nur ein, technisch aufgemotzter, Mensch.

Sicherlich: Marvel ist keine Religion und schon erst recht nicht „christlich“. (Doch was ist das überhaupt und was ist es nicht?)

Und sicherlich: Der Vergleich ist weit hergeholt. Und mindestens schief.

Aber trotzdem (und hier stimmt dann der Vergleich doch): Wenn man das Leben und das Werk Jesu auf einen Punkt bringen will, wenn nur eines bleiben muss, dann doch: Am Kreuz besiegt er meine Sünde. Dort stirbt er für mich. Für mich und für alle Menschen. Alles Weitere ist wichtig, aber eben nur soweit als das stimmt. Und sicherlich: Den Avengers sollte man nicht nachfolgen. Aber lernen kann man von ihnen schon: Das Entscheidende ist manchmal ziemlich klar. Ziemlich einfach. Auch wenn es das Schwerste ist.

„Ich bin das Licht der Welt. Wer mir nachfolgt, wird nicht in der Finsternis umhergehen, sondern wird das Licht des Lebens haben.“

Niklas Schleicher (@megadakka) ist Vikar der Evangelischen Landeskirche in Württemberg. Gemeinsam mit anderen hat er das Netzwerk für Theologie in der Kirche (http://netzwerktheologie.wordpress.com) ins Leben gerufen. In seiner Freizeit schaut und liest er zu viel Sciene-Fiction.

bookmark_borderVon LARP-Klamotten und Krippenspelkostümen

Zieht den neuen Menschen an, der nach Gott geschaffen ist in wahrer Gerechtigkeit und Heiligkeit.
Epheser 4,24


Jedes Jahr wieder stehen wir vor der Herausforderung, die immer gleiche Geschichte von der
Geburt Jesu mit Maria, Joseph, den Hirten, den Engeln, Schafen und gerne auch Ochs, Esel und
Herbergsvater, manchmal sogar Herodes, komplett mit drei Königen und Hofstaat in den Chorraum
unserer Kirche zu bringen. In unserer Gemeinde haben wir natürlich einen großen Vorteil. Ein gut
gefüllter LARP-Fundus liegt auf dem Dachboden des Gemeindehauses bereit. Was die Ausstattung
angeht, können wir gefühlt mit Oberammergau mithalten. Die Darsteller sind nicht immer so
ambitioniert. Teils Konfis, teils Ehrenamtliche aus der Jugendarbeit, fällt ihre Begeisterung für die
darstellende Kunst sehr unterschiedlich aus.
Wenn wir mit den Proben beginnen, heißt es erst einmal sortieren. Wer ist wer? Die Darstellerin der
Maria muss sich daran gewöhnen mit „ihrem Joseph“ zu reden, die Engel, die eigentlich Teenager
sind und sich kaum zurückhalten können, im Minuten-Takt ihre Messages auf dem Handy zu
checken, sollen sich in engelsgleichem Verhalten üben, und die Hirten diskutieren, welcher von
ihnen der mit dem langen Text sein soll.
Wenn ich es nicht alle Jahre wieder erlebt hätte, dass selbst die wuseligste und verwirrteste Truppe
von Laiendarstellern es am Ende schafft, lebendige Verkündigung hinzukriegen, wenn sie genug
geprobt haben und das Stück sich endlich zusammensetzt, wäre dies der Moment, das wahnwitzige
Unterfangen abzubrechen.
Die große Veränderung tritt meist ein, wenn wir zum ersten Mal mit Kostümen proben. Ein langes
Kleid, über das man nicht stolpern möchte, lässt den Schritt gemessener werden. Ein Engelsgewand
hat keine Taschen für das Handy. Eine Krone auf dem Kopf zwingt zu aufrechter Haltung. Mit dem
Gewand kommt das Gefühl für die Figur, die dargestellt wird.
Egal ob Liverollenspiel oder Krippenspiel: Kleider machen Leute. Ob Arbeitskleidung, Festgewand
oder Pfadfinderkluft, Kleidung macht etwas mit demjenigen, der sie trägt, und gibt eine Botschaft
weiter an den Betrachter. Ob diese immer so recht verstanden wird, steht auf einem anderen Blatt.
Im Epheserbrief werden wir aufgefordert: „Zieht den neuen Menschen an!“
Als Christ – mit der Taufe – bekommt man also neues Outfit.
Ein Outfit, das uns zu einem neuen Menschen machen soll.
Ein Outfit, das auch im Alltag funktioniert.
Aus Erfahrungen mit Verkleidungen, Kostümen und Gewandungen weiß ich, dass es da große
Qualitätsunterschiede gibt. Verkleide ich mich nur mit einem einfachen nicht alltagstauglichen
Kleidungsstück wie etwa einem Karnevalskostüm, werde ich durch rutschende Schultern, kneifende
Nähte und Rocksäume, über die man stolpert, behindert. Wärmen wird es mich auch nicht, wenn es
aus billiger, synthetischer Faser gefertigt ist. Dann werde ich dauernd daran erinnert, dass ich
ungewohnte, seltsame, untaugliche Kleidung trage.
Theaterkostüme sind so geschneidert, dass sie für zwei oder drei Stunden auf der Bühne etwas
hermachen und schnell an- und ausgezogen werden können. Den Betrachter vermögen sie vielleicht
zu überzeugen. Alltagstauglich sind solche Bühnenkostüme nicht. Eine richtige Verwandlung geht
erst vor, wenn ein Gewand auch zu mir passt. LARPer nähen darum oft selbst oder stellen die
Einzelteile ihrer Gewandung sehr sorgsam zusammen. Kleidung, in der ich ein ganzes Wochenende
oder sogar länger herumlaufe, darf keine Verkleidung sein. Material und Schnitt müssen stimmen,
meist sind mehrere Lagen übereinander zu bedenken.
In meinen LARP-Klamotten fühle ich mich zu Hause und schlüpfe schon beim Anziehen in die Person, die ich nun sein werde.
„Zieht den neuen Menschen an!“, werden wir aufgefordert. Und das kann auf Dauer nur
funktionieren, wenn dieser „neue Mensch“ auch passt. Das gelingt nur, wenn wir ihn uns nicht von
anderen überstülpen lassen und ihn nicht nur ab und zu mal für einen Gottesdienst hervorkramen,
sondern er für uns zum Alltagskleid wird. Wir können daran arbeiten, dass der „neue Mensch“, der
Christ/die Christin, uns auch im Alltag passt.
Ein Krippenspielkostüm könnte ich auch am 23. Dezember noch vom Dachboden holen, aber besser
ist es, wenn sich die Darsteller von Maria, Joseph und den Engeln an die ungewohnte Bekleidung
schon ein paar Proben länger gewöhnen durften.
Das Christsein sollte ein Outfit sein, das auch nach außen hin wahrnehmbar sein kann und das
innerlich etwas mit uns macht. Das möchte ich nicht nur für den Weihnachtsgottesdienst
überziehen. So, wie ich an meinen LARP-Klamotten immer wieder arbeite und sie verbessere und
erweitere, so will ich erst recht daran arbeiten, dass der neue Mensch gut sitzt und in allen
Lebenslagen tauglich ist.

bookmark_borderWaffen, Rüstungen, Schilde, Helme …

Eph 6,10-17
„Nehmt Glaubwürdigkeit als Gürtel, Gerechtigkeit als Rüstung, die Bereitschaft zu Friedfertigkeit nach dem Evangelium als Schuhwerk. Dazu nehmt den Glauben als Schild, mit dem ihr die Brandpfeile des Bösen ersticken könnt. Setzt die Erlösung als Helm auf, ergreift den Heiligen Geist, das Wort Gottes, als Schwert.“

Waffen, Rüstungen, Schilde, Helme …
Jeder Sciencefiction oder Fantasy Fan wird da hellhörig
Abenteuer – Kampf der Guten gegen die Bösen …
Und ja, im Spiel, im Film, im Roman finde ich das echt coool.
Da weiß ich aber auch, dass es am Ende gut ausgeht. Am Ende eines jeden anständigen Abenteuer-Epos, wenn Heldin oder Held fast aber nur fast gestorben ist, gewinnen schließlich die Guten gegen die Bösen, Held und Heldin „kriegen einander“ und die Welt ist gerettet.
Ich war nie im Krieg, habe nie eine reale Schlacht geschlagen, bin bisher -Gott Lob- von körperlicher Bedrohung weitestgehend verschont geblieben. Aber meine Kenntnisse und Erfahrungen aus Liverollenspiel, PC-Games und Geschichten reichen schon vollkommen aus um zu wissen, dass ich das ohnehin niemals real erleben möchte.
Heldentum macht mir nur in der Fantasie Spaß.
Paulus bietet uns an, diese martialischen Bilder anders zu besetzen. Er will uns nicht in den körperlichen Krieg schicken.
Nehmen wir die Bildebene weg und schauen auf das, wofür diese Bilder stehen, so bleiben übrig: Wahrheit, Gerechtigkeit, das Evangelium des Friedens, Glauben, Rettung und Heil, Geist und Wort Gottes. Jeder dieser Begriffe beschreibt einen zentralen Aspekt der Beziehung zwischen Gott und den Menschen.
Das ist absolut alltagstauglich.
Paulus macht Wort-Schwerter zu Wort-Pflugscharen.
Auf Gewalt nicht mit noch mehr Gewalt zu reagieren (ob physisch oder verbal) erfordert Mut, den Heldenmut des Alltags, sozusagen.

Natascha Luther

bookmark_borderDas Böse II

Warum Teil II? Zu der Frage, was denn das Böse ist, wo es herkommt und wie es in der Welt unterwegs ist, habe ich bereits eine Andacht geschrieben. Sie endete mit dem Zwischenschritt, dass das Böse nicht eine Macht ist, die außerhalb von Menschen existiert, sondern dass das Böse in uns ist und immer in uns sein wird.
Kurz nach Halloween am 31.10 war es dann wieder da, das Böse. Am 9.11.2019, einem Tag des Gedenkens daran, was Menschen sich gegenseitig anzutun vermögen, demonstrierte eine Handvoll Nazis in Bielefeld. Und viele tausend Menschen stellten sich dagegen.
Die Rollen waren klar verteilt, dort die Bösen, hier die Guten.
Und doch, ist das so einfach? Bin ich wirklich einer von den Guten …?
Der 9.11 ist ein Tag der Erinnerung. Der Erinnerung daran, dass in Deutschland 6.000.000 Juden durch das NS Regime ermordet wurden. In Konzentrationslagern geschlachtet und vergast, auf dem Weg dorthin erschossen, in Hilfeeinrichtungen dem Hungertod überlassen oder wie auch immer getötet. Daneben starben in der Vernichtungsmaschinerie weitere 6 Millionen Menschen, der Krieg forderte dann noch einmal 65 Millionen Menschenleben. Und dieses Gedenken versuchen wir mit allem Mittel wach zu halten. Wir unterrichten es in Schulen und haben Orte und Zeiten des Gedenkens eingerichtet. Warum das alles? Müssen wir uns denn wirklich immer wieder alle daran erinnern? Reicht es nicht, wenn wir einen Erinnerungsrat bilden, der dann wissenschaftlich begleitet das Gedenken pflegt?
Das Böse findet einen Weg zurückzukehren. Ich weiß nicht, wie häufig ich diesen Satz in dieser oder ähnlicher Form schon gelesen und gehört habe. Viele Geschichten und Romane leben davon, dass die Vergangenheit wiederkehrt.
Als Gandalf im Herrn der Ringe herausfand, dass Frodo wirklich den einen Ring besitzt, (Ein Ring, sie zu knechten, sie alle zu finden, Ins Dunkel zu treiben und ewig zu binden – Im Lande Mordor, wo die Schatten droh‘n.) war das Erstaunen groß. Viele wollten es nicht wahrhaben, andere wollten den Ring für den Kampf auf ihrer Seite nutzen. Hatten sie nichts aus der Geschichte gelernt? Nein, hatten sie nicht, denn die Geschichte war vergangen und die Erinnerungen verblasst. Und die Elfen, die diese Erinnerung bewahrt haben, sprachen mit niemandem.

In Hogwarts bei Harry Potter wird auch nicht gerade häufig von „Du weißt schon wem“ gesprochen. Geschweige denn, dass die Geschichte Teil des Unterrichts wäre. Und dann, als „Du weißt schon wer“ wieder zurückkehrt, da wollen es die Zauberer nicht wahrhaben.
Und der weise Rat der Jedi wird bei Star Wars im Handstreich ausgelöscht. Die Erinnerung getilgt und der Aufstieg der dunklen Seite der Macht so ermöglicht. Einige wenige reichen eben nicht, um die Erinnerung wach zu halten.
Und nun scheint es, dass auch in Deutschland das Böse aus der Geschichte erneut an Kraft zulegt.
Doch was ist dieses Böse, das da zurückkehrt? Es sind, denke ich, die Gedanken daran, was anders und besser sein könnte. Es ist das Gift der einfachen Antworten auf komplexe Fragen. Es ist die Versuchung, das Leben einfacher, schöner und sicherer zu gestalten. Und dieses Gift wächst in Menschen wie mir.
Wie mir? Ich gehöre doch zu den Guten, oder nicht?
Vielleicht. Doch was heißt das schon. Wenn ich mich darauf verlasse, dass ich etwas Gutes tue, wird die Geschichte das auch als gut anerkennen? Zu viele Menschen haben in der Geschichte mit besten Vorsätzen, mit tollen Absichten und mit der absoluten Überzeugung das richtige zu tun, absolute Gräueltaten begangen. Die Geschichte unserer Kirche ist voll mit diesen Menschen. Exorzisten, Kreuzritter und Missionare – Sie alle behaupteten von sich, das Richtige zu tun. Und ich glaube, viele waren zutiefst davon überzeugt. Niemals hätten sie sich auf die Seite des Bösen gestellt. Sie waren sich in ihrer Zeit, in ihrer Erziehung, in ihrem Menschenbild und in ihrem Glauben sicher, das Richtige zu tun.
Und doch, heute sehen wir ihre Taten zuweilen anders.
Und ich, ich alter weißer Mann, kann ich mir sicher sein, das Gute zu tun? Sobald ich das tue, sobald ich mich nicht mehr hinterfrage, sobald ich fest davon überzeugt bin, das Gute zu tun, werde ich gefährlich. Dann nämlich nehme ich keine anderen Meinungen mehr an. Ich akzeptiere nur noch mein eigenes Urteil, dann gnade mir Gott.
Und davor will ich geschützt sein, darum bitte ich jeden Sonntag: Und führ mich nicht in Versuchung, sondern erlöse mich von dem Bösen.
Dieses Böse wohnt in mir. Ich bin nicht frei davon. Das darf ich nie vergessen. Und das darf kein Mensch vergessen.
Darum erinnern wir uns zum 9.11. an die Opfer der Nazizeit, darum unterrichten wir unsere Kinder. Weil kein Mensch davon frei ist. Niemand ist gut und niemand ist böse. Wir sind alle nur Menschen. Und wir treffen Entscheidungen. Und kein Held der Welt kann dieses Böse in uns aufhalten, ja jeder Held, jede Gruppe von Helden hat immer ihre Schwachpunkte.
Und das Böse schläft nicht, also müssen auch wir wachsam bleiben.

bookmark_border„DAS BÖSE – Teil I“

Warum Teil I: Diese Andacht denkt etwas an und bleibt in der Mitte stehen. Viel wird angerissen, wenig zu Ende gedacht. Irgendwann wird es Teil II geben, wenn er an der Zeit ist.
Mir ist unlängst das Böse begegnet und nun werde ich es nicht mehr los.
Greta Thunberg hat vor der UN geredet. Nicht sehr lange, insofern kann man sich die Rede gut anhören oder durchlesen. In der deutschen Übersetzung heißt es „Wenn ihr (also die Politiker) die Situation wirklich verstehen würdet und uns immer noch im Stich lassen würdet, dann wärt ihr grausam und das weigere ich mich zu glauben.“
Im Original sagt Greta beim Wort grausam: evil. In meinem Wortschatz des Englischen heißt das „böse“. Und da war es, das Böse.
Was ist das, das Böse? Dieser Frage habe ich ein wenig nachgespürt, ohne wirklich eine Antwort gefunden zu haben. Ich will euch ein wenig mitnehmen auf meine Reise.
Wir bitten bei jedem Gottesdienst im Vater unser: „und erlöse uns von dem Bösen“, also muss es ja da sein, etwas dessen Existenz nicht zu leugnen ist.
Als ich anfing Radio zu hören, gab es (Ende der 1980er-Jahre) ein Lied namens „Das Omen“, eingeleitet von der Vorstellung des Mephisto aus Goethes Faust:

Ich bin der Geist, der stets verneint!
Und das mit Recht; denn alles, was entsteht,
Ist wert, daß es zugrunde geht;
Drum besser wär’s, daß nichts entstünde.
So ist denn alles, was ihr Sünde,
Zerstörung, kurz, das Böse nennt,
Mein eigentliches Element.

Ist das Böse also ein Geist, der analog zu Gottes Geist über die Welt zieht und uns heimsucht? Gilt es sich also mit allerlei Schutz zu umgeben, damit das Böse nicht in ein Haus fährt? Bei all den Schutzzaubern und Amuletten kann dieser Eindruck entstehen. Neuheidnisches Gedankengut spielt gerne mit bösen Geistern. Auch an Halloween kriechen sie in manchen Köpfen wieder hervor. Das Brauchtum ist voll davon.
Aber ich habe es nicht so mit Brauchtum. Ich habe es eher mit Mangas. Und da lief mir bei meiner Suche nach dem Bösen ein Geist über den Weg, der mich stutzig machte. Der Manga „Ghost in the Shell“ stammt aus Asien und wurde Ende der 1980er-Jahre verfasst. Berühmt wurde er durch den daraus entwickelten Anime gleichen Namens, der dann 2017 zu einem Realfilm führte.
Kurze Zusammenfassung: Im Jahr 2029 sind viele Menschen Cyborgs, die ihren Körper ganz oder teilweise durch künstliche Implantate ersetzt haben. Sogar das Gehirn lässt sich bis auf einige wenige Zellen durch ein sogenanntes Cyberbrain ersetzen. Verpackt in einer Biokapsel (der sogenannten Shell) stecken in jedem Cyborg menschliche Gehirnzellen mit seinem Geist (Ghost), der Identität und seiner Persönlichkeit.
Der Cyborg in diesem Manga unterscheidet sich durch ein paar menschliche Gehirnzellen von einer bloßen Puppe. Darin ist der Geist des Wesens enthalten. Also bei all dem Fortschritt der Science-Fiction wird der Mensch in seiner Biologie bis auf wenige Zellen ersetzbar. Der Geist in diesen Zellen ist am Ende das, was den Menschen im Kern ausmacht.
Warum ist diese Vorstellung bei mir in den Bereich „Böse“ gefallen? Nun, auch in der Bibel findet sich eine Stelle, an der sich der Mensch aus dem bloßen „Geschöpf eines Schöpfers“-sein herausbewegt und „eigenständig“ wird.

Im zweiten Schöpfungsbericht setzt Gott den Menschen in den Garten Eden. Ich denke ihr wisst was folgt. „Nur vom Baum der Erkenntnis sollt ihr nicht essen.“ Und als die Menschen es doch tun, da erst erkennen sie, dass sie nackt sind. Und Gott wirft sie hinaus. Was ist dieser Sündenfall?
Und Gott, der HERR, ließ aufwachsen aus der Erde allerlei Bäume, verlockend anzusehen und gut zu essen, und den Baum des Lebens mitten im Garten und den Baum der Erkenntnis des Guten und Bösen.
Wenn ich dem folge, dann ist das Böse nichts, was außen ist. Gott hat sicher in seinen Garten Eden keine böse Macht entlassen, die diese Menschen erst dann sehen. Zu unterschieden zwischen Gut und Böse ist uns Menschen gegeben, ja es macht uns erst zu dem, was wir sind. Und die Unterscheidung von Gut und Böse ist eine Unterscheidung der Handlungen von Menschen. So wie der Cyborg seinen Ghost braucht um sich von bloßen Maschinen zu unterscheiden, brauchen wir diesen Geist um keine Puppen zu sein.
Wir haben einen Geist. Wir entscheiden über Gut und Böse.
Das Böse ist nicht da draußen.
Das Böse, und das ist ein Zwischenschritt meiner Suche danach, ist in mir drinnen. Es macht mich zum Teil zum Menschen. Und das ist wirklich beängstigend. Trage ich dann doch in mir einen Geist, der so wie Mephisto spricht:

So ist denn alles, was ihr Sünde,
Zerstörung, kurz, das Böse nennt,
Mein eigentliches Element.

Bewahre uns Gott EG 171


bookmark_border„Hauskreis*“ & Pen-und-Paper-Rollenspiel**

eine sehr persönliche Sicht

*Hauskreise sind meist kleine Gruppen, die sich in der Regel zum Beten, für Bibelarbeiten und Gespräche über Glauben aber auch Alltag in privaten Wohnungen treffen.
Hauskreise sind, so scheint es mir, vor allem bei protestantischen und freikirchlichen Christen üblich.
**Das Pen-&-Paper-Rollenspie nach dem englischen Stift und Papier für Notizen benannt ist ein Spiel, bei dem die Mitwirkenden fiktive Rollen einnehmen und gemeinsam durch Erzählen ein Abenteuer erleben.

„Hauskreis“ und Pen-und-paper-Runde haben vieles gemeinsam, man trifft sich, oft über viele Jahre, in immer ähnlicher Zusammensetzung. Im Laufe der Zeit erfährt man mehr übereinander Freundschaften entwickeln sich, oder werden gestärkt.
Im Hauskreis wie ich ihn kenne, bereitet auch immer jemand etwas thematisch vor und dann entwickelt sich der Abend daran, was die Gruppe daraus macht.
Pen- und Paperrunden haben auch jemanden der oder die leitet, seit D&D Zeiten traditionell der Meister genannt. Eine manchmal von Außenstehendenden missverstandene Bezeichnung.
Ein Hauskreis ist kein Gottesdienst, auch wenn wir zu Beginn und am Ende beten um Gottes Begleitung, treffen wir uns doch weniger zu Gotteslob und mehr um eigne Fragen in Bezug auf eben diesen Gott zu klären.
Eine Pen and Paperrunde ist kein Theaterstück. Wir spielen für uns selber und für einander, nicht für ein Publikum (auch wenn es dieses Format inzwischen im Internet gibt, es ist nicht die ursprüngliche Intention der Rollenspielrunde gewesen).
Meine Hauskreis Erfahrungen sind erfreulicherweise ausschließlich Positiv. Seit vielen Jahren treffe ich mich ein paar mal im Jahr in einer unveränderten Runde von Menschen sehr unterschiedlichen Alters um über Gott und die Welt zu reden. Vorher essen wir gemeinsam. Das sind Abende, die mich stärken, mir helfen meinen Glauben zu hinterfragen und mir oft neue Einsichten schenken.
So viel Stabilität habe ich in Rollenspielrunden leider nie erlebt, mehrere Jahre hat so eine Clique schon mal gehalten aber spätestens nach Studium oder Ausbildung hat es die Gruppe in alle Winde verstreut. Versuche zu Rollenspielrunden in den letzten Jahren waren leider oft von kurzer Dauer, weil wir alle in sehr unterschiedlichen Alltagen und Zeitkontingenten eingespannt sind.
Dem Hauskreis tut es sehr gut, dass einige von uns schon pensioniert sind. Vielleicht klappt es dann, wenn ich aus dem Beruf raus bin, auch wieder mit der Rollenspielrunde.
In Hauskreis wie Rollenspielrunde muss erst mal Vertrauen wachsen, um sich einander öffnen zu können und um intensive Erlebnisse zu ermöglichen. Ehe ich mich traue einen Charakter zu spielen, bei dem ich vielleicht Themen für mich selber klären kann, die mich persönlich betreffen, muss ich darauf vertrauen können, dass niemand in der Runde solche Einblicke in meine Inneres ausnutzt.
Ehe ich über meinen Glauben und vielleicht auch damit Verbundene Krisen reden kann, muss ich mich darauf verlassen können nicht verurteilt zu werden für das was ich offen lege.
Bei beiden Formen läuft es auf das gleiche hinaus: sind die Teilnehmenden engagiert genug als Gruppe verbindlich zusammen zu bleiben und entsteht eine Atmosphäre gegenseitigen Respekts und Vertrauens so kann es für alle zu einer lohnenden Bereicherung werden.

Mich interessieren Eure Gedanken dazu. Ist der Vergleich weit her geholt? Habt Ihr da auch schon mal drüber nachgedacht? Seht Ihr andere Parallelen oder Unterschiede?

Natascha Luther