bookmark_borderEarly-Nerd-Café

8.15 Early-Nerd-Café „Was für ein Nerd bist du?

„Miruvor, auch als Heiltrank von Imladris bezeichnet, wurde von den Elben Bruchtals hergestellt. Der Trank hatte eine belebende, erfrischende Wirkung und wurde als würzig schmeckend beschrieben. Hoffnungslosen vermochte er neuen Mut und neue Kraft zu geben.„

Jeder NERD ist anders. Star-Wars-Fans mögen angeblich Treckies nicht, SciFi und Fantasy sollen auf verschiedenen Welten zuhause sein und wer als LARPer raus in die Natur geht, sitzt bestimmt nicht zum Zocken am PC! Oder?
Können wir miteinander auskommen?
Unsere These: Nerds werden einen gemeinsamen Nenner finden.
Wer beim „Early-Nerd-Café“ aufschlägt, ist auf jeden Fall eines: Frühaufsteher.

Komm vorbei, lass dich mit einem Heißgetränk versorgen, wenn auch nur Tee oder Kaffee. Wir von the_nerdchurch haben (vermutlich zum letzten Mal an diesem Tag) Zeit zu quatschen und freuen uns auf Dich.

bookmark_borderAngedachtes aus der Welt der NERDs | Workshop

„Wenn ich an *Glaubensinhalt* denke, dann kann ich mir das am besten mit *spezieller-nerdiger-Inhalt* erklären.“
21.6. | 14.30 Uhr
Wolfgang Loest, Pfarrer, Lippische Landeskirche
youtube: Nerdgemeinde/ Twitter: @nerdgemeinde
Kennst du das? Du hast großartige Vergleiche, Bezüge oder gefundene Zitate und kannst sie oft nicht teilen, weil das wieder kaum jemand versteht?
Hier bist du richtig! Wir erklären Gottes Dreifaltigkeit in Computersprech, die Erbsünde mit Fluff aus dem Schwarzen Auge, erzählen von der Schöpfung mit Tolkien und, und, und, und hören oder lesen vielleicht auch etwas von dir?

The-nerdchurch und die Nerdgemeinde sagen „Dankeschön“ wenn ihr Ergebnisse aus diesem Workshop zur Veröffentlichung durch uns freigebt .

bookmark_border„Splitter, Krach, Bumm, Jubel“

„Splitter, Krach, Bumm, Jubel“ – „Eure Rede aber sei: Ja, ja; nein, nein.“ (Matthäus 5,37)
Oh, wie sehr wünschte ich mir manchmal, dass es wieder Ehrenduelle gäbe: Ich habe ärger mit jemanden – wir duellieren uns – so oder so ist das Problem gelöst bzw. ich kann mich nicht mehr ärgern.
Ich streite mich nicht gerne. Ja, ab und an sich kloppen, das macht mir Spaß (egal ob im Egoshooter, Brettspiel oder mit Schwertern), aber sich streiten… Das einzige, was ich noch schlimmer finde, ist gegen meinen Willen in einen Streit hineingezogen werden.
Wie häufig erlebe ich, dass sich Erwachsene Menschen wie kleine Kinder benehmen und von mir erwarten, dass ich den „Papa“ (bzw. Pfarrer) spiele und einem der beiden recht gebe… Ich hasse es!
Der Satz von Jesus „Eure Rede aber sei: Ja, ja; nein, nein.“, der ärgert mich eigentlich, er entspricht so gar nicht meiner Realität. Wenn ich immer ein eindeutiges Ja oder Nein reden würde, dann wäre ich ständig in Duellen unterwegs und die Welt wäre um mich oder viele andere Menschen ärmer 😉.
Was mache ich also mit diesem Ausspruch Jesu? Einfach, ich schaue mir Jesu Umgang mit den Menschen an und lesen den Ausspruch noch einmal Wort für Wort. Was rauskommt ist recht einleuchtend – war ja irgendwie klar: Es gibt ein paar Dinge, da gibt es nur „Ja, Ja“ oder „Nein, Nein“, beim Umgang mit Intoleranz, beim Thema Nächstenliebe u.ä. … Aber ansonsten, schaue ich hin und stelle fest, dass es bei dem Ausspruch primär um das Thema „Schwören“ geht, darum sein Wort zu halten. Und da finde ich die ritterliche Ehrenhaftigkeit dann wieder super…. Oder ich denke mir schlicht: Abseits von einfachen Aussagen und von Absprachen ist die Antwort meist „Ja und Nein.“ Ist vielleicht nicht so einfach, wie ein Duell, aber mit Sicherheit besser – eigentlich.

bookmark_borderRitualtheoretische Anmerkungen zum Rollenspiel

21.6. | 13.30Uhr | the_nerdchurch

Ritualtheoretische Anmerkungen zum Rollenspiel
„Beschwören, Zeitreisen und Monster töten“

Lisa Wevelsiep, Master of Arts Religionswissenschaft, Doktorandin, Centrum für Religionswissenschaftliche Studien (CERES)

Wenn sich Menschen für ein Liverollenspiel in die Gewandung von Hexen, Untoten oder Fabelwesen „werfen“, und im Rahmen des Spiels Ungeheuer bezwingen und Rituale durchführen, sehen es viele Außenstehende als ein Spiel. Religionswissenschaftliche Ritualtheorien betonen, dass solche rituellen Handlungen eine transformative Kraft aufweisen, welche die Beteiligten von einem Zustand in einen anderen versetzt. Inwiefern trifft das auch auf das Rollenspiel zu? Gibt es Folgen, die über das Spiel hinausgehen?

bookmark_borderVon Raketen und dem Auffahren in den Himmel

Himmelfahrt – Der Name dieses Tages leitet natürlich schnell in die Irre. Kinder haben ein richtig intuitives Gespür für solche falschen Begrifflichkeiten. Mein kleiner Sohn war ca. 4 Jahre alt und fragte beim Frühstück an einem Himmelfahrtstag: „Papa, ist Jesus mit einer Rakete in den Himmel geflogen? Fliegst du da jetzt auch mit einer Rakete hin?“ Der Kirchraum meiner damaligen Kirche als Raketenabschussrampe …?! Das damalige Versprechen meines Bleibens auf Erden fand er gut – damals. Nachdem er mich später des Öfteren in Auseinandersetzungen wissen ließ, dass er mich „… am liebsten auf den Mond schießen würde“, sagte ich ihm jedes Mal: „Das Problem hatten wir doch schon mal … und ich gab dir mein Versprechen zu bleiben“. Komisch, das empfand er dann nicht als so prickelnd (in der angespannten Situation).
Die englische Unterscheidung zwischen „heaven“ und „sky“ macht deutlich, dass es bei dem Himmelfahrtstag nicht um den bewölkten „Himmel“ (= sky) geht, sondern darum, wie „himmlisch“ es auf Erden werden kann, wenn jener „Himmel“ (= heaven) über Menschen „aufgeht“, die plötzlich spüren, Gott ist nicht mehr länger „da oben“, sondern ist der heruntergekommene Gott.
Um das „Bleiben“ geht es gewiss – nicht um‘s Abheben an Himmelfahrt. Ich möchte der Erde treu bleiben – und das gerade wegen Himmelfahrt!
Volker, bekennender Nicht-Nerd

bookmark_borderSchlachte deinen einzigen Sohn, den du lieb hast!

21.6. | 9.30Uhr | the_nerchurch
Film-Bibelarbeit zu 1. Mose 22, 1-9
Das „Dochnichtopfer“ in „Harry Potter“, „Das Tochteropfer“ in „Arrival“ und das „Selbstopfer“ in „Blade Runner 2049“,

PD Dr. Inge Kirsner, Tübingen

Schlachte deinen einzigen Sohn, den du lieb hast!
Was für ein Befehl! Der Bibel zufolge ist Abraham bereit dazu, Gott zu gehorchen. Er muss es schließlich nicht tun – anders als Steven Murphy, der in Lanthimos‘ Film „Killing of a Sacred Deer“ den Sohn opfern muss, damit die restliche Familie überlebt. Snape ist in „Harry Potter und die Heiligtümer des Todes“ entsetzt, als er erfährt, dass Dumbledore seinen Ziehsohn Harry „wie ein Schwein zum Schlachten“ führen will – der Kampf gegen das Böse erfordere dies. In „Arrival“ (Denis Villeneuve, USA 2017) geht es um eine Tochter, deren Schicksal schon besiegelt ist, bevor sie das Licht der Welt erblickt – die Filmgeschichte ist voller Kinderopfer, und die Filmbibelarbeit zu 1. Mose 22, 1-9 wird einige davon theologisch beleuchten.

Ev. Paul-Gerhardt-Kirchengemeinde | Markgrafenstr. 123

Photo by Philipp Pilz on Unsplash @buchstabenhausen

bookmark_borderVon Starcraft und den Vögeln unter dem Himmel

Starcraft 1 oder 2 zocken, bei LAN Partys, in der Gemeinde, mit Jugendlichen, immer wieder gut. Bei uns wurde nie ernsthaft E-Sport betrieben, sodass eine Runde auch mal ein bisschen länger dauern kann.
Drei Weltraumrassen bekämpfen sich bei Starcraft: Die Zerg, die Protos und die Terraner und sie prügeln sich um gerade mal zwei Arten von Ressourcen. Zum Thema Toleranz ist Starcraft in der LAN-Party Version unergiebig, die Spieler bestimmen einfach durch das Setzen von Häkchen, wer mit wem in einer Fraktion spielt und da ist es völlig egal, welche der drei Weltraumrassen im Spiel sind.
Aber die Rohstoffe Vespingas und Mineralien, aus denen bei Starcraft alles gebaut wird, was man für das Spiel braucht – alles, um den Krieg zu gewinnen – sind endlich. Im Gegensatz zu anderen Aufbaustrategiespielen wächst bei Starcraft nichts nach. Wer die Karte programmiert legt fest, wo es Ressourcen gibt und wie viele. Wenn nicht-trainierte Leute Starcraft spielen, kann es auch schon mal passieren, dass einem die Rohstoffe ausgehen.
Am Ende bleibt einem gar nichts anderes übrig, als einander anzugreifen. Selbst die aufbauverliebtesten Spieler kommen irgendwann an den Punkt, dass es ihnen an etwas mangelt.
Also ist es von Anfang an das Allerwichtigste so schnell wie möglich Rohstoffe abzubauen und sich weitere Quellen zu sichern bevor die anderen dorthin gelangen.
Wenn so eine Runde Starcraft von jemandem gewonnen wurde, kann man alleine weiterspielen, auch noch die restlichen Rohstoffe einsammeln, aber man kann sie nicht ins nächste Spiel mitnehmen.
Manchmal frage ich mich, ob wir verstanden haben, dass die reale Welt deutlich komplexer ist und nicht jederzeit ein neues Spiel gestartet werden kann.
„Schaut die Vögel an. Sie müssen weder säen noch ernten noch Vorräte ansammeln, denn euer himmlischer Vater sorgt für sie“, sagt Jesus in Mat. 6,26. Sehr ausführlich versucht er dann seinen Zuhörern klar zu machen, dass dieses „Ressourcen sammeln“ im realen Leben ziemlich sinnlos ist.
Inzwischen sind wir Menschen soweit, dass unser Wettlauf nach Rohstoffen droht, unser aller Lebensraum unwiederbringlich zu zerstören. Wir schaffen es noch, die Karte komplett leerzusammeln.
Dass Starcraft so viel Spaß macht, liegt daran, dass es uns Menschen liegt, zu sammeln und anzuhäufen und aufzubauen. Aber was ist das Ziel? Während es bei einem simplen Spiel wie Starcraft sinnvoll ist, möglichst schnell möglichst viel an mich zu raffen, um den Gegner möglichst schnell besiegen zu können, habe ich im realen Leben doch auch noch wichtigere Bedürfnisse.
„Geh nicht durchs Leben, als sei es ein Spiel, in dem es Gewinner und Verlierer gibt, versuche gar nicht erst, dich durch das Anhäufen von Ressourcen gegen alle Eventualitäten des Lebens abzusichern“, sagt Jesus, „hab Gottvertrauen!“.
„Was für ein Vertrauen“ ist auch das diesjährige Kirchentagsmotto. In unserer the_nerdchurch am Freitag, den 21.6. wollen wir uns in den Tageszeitengebeten auf nerdige Weise mit dem Vertrauen in Gott beschäftigen.

bookmark_borderWo fließt der Strom?

Unsere handgeschriebene Bibel, eigentlich ein ganz schön nerdiges Projekt für die ganze Gemeinde.

Damals, in den 80-ern, als ich Jugendliche war, da gab es den Begriff „NERD“ im deutschen Sprachgebrauch noch nicht; da war ich ganz schön allein mit meiner Begeisterung für eine uralte Fernsehserie namens „Raumschiff Enterprise“ aus den 60-ern, einer Filmreihe aus den 70-ern, die „Krieg der Sterne“ hieß, und ein Buch aus den 50-ern, das den Titel „Der Herr der Ringe“ trug. Als ich mit etwa 17 über die kirchliche Jugendarbeit ein paar Jungs kennenlernte, die ein Spiel namens „D&D“ spielten öffnete sich mir ein Tor, an dem ich gefühlt schon seit Jahren gekratzt hatte, und eine neue Welt tat sich auf. Als ich 22 war, gab es auf der Spielemesse tatsächlich zwei Stände, die das Live-Rollenspiel vorstellten, und einen Vortrag darüber, wie man sich das vorzustellen hatte.
Inzwischen hatte ich auch mehr Leute kennengelernt, die sich für Fantasy, Sience-Fiction und Rollenspiel begeisterten. Wir waren eine kleine Randgruppe abseits des Mainstreams. Viele von uns waren auch kirchlich engagiert. Thematisiert wurde unser Hobby wenig. Zu viel Unverständnis und auch Besorgtheit um unser Seelenheil wurde uns da entgegengebracht. Der D&D spielende Kindergottesdienst-Helfer war vermutlich gar nicht so selten, aber immer „undercover“. Nicht selten waren es die Vertreter der Kirche, mit denen wir uns auseinandersetzen mussten, weil sie Spiel und Realität nicht unterscheiden konnten, weil sie nicht verstanden haben, dass wir das hervorragend trennen konnten.
Das erste Mal wirklich begriffen, dass ich mit meinen Vorlieben nach und nach mehr und mehr in den Hauptstrom gedriftet bin, habe ich, als ich im Sommer 2015 das neue Pokémon-Go spielend auf einer Treppe in einer großen Stadt saß und um mich herum wirklich hunderte andere Menschen wahrnahm, die das Gleiche taten, ganz normale Menschen. Kein eingeschworenes Grüppchen, das sich zu einem seltsamen Zeitvertreib traf. Viele.

Natürlich hätte ich diese Erkenntnis schon haben können, als Star Trek. Next-Generation ins Fernsehen kam oder spätestens mit den neuen Star-Wars-Filmen. Aber der Wechsel von der Randgruppe zum Mainstream wurde mir erst zwischen all diesen Menschen deutlich. Natürlich bin ich immer noch anders. Als ich ein paar Monate später immer noch Pokémon-Go spielte und eine Kollegin ganz verständnislos sagte: „Aber das ist doch schon vorbei.“ war ich geradezu erleichtert. Doch, es gibt auch noch die kleine nerdige Welt, die ich so lieben gelernt habe, sie hat sich nicht brausetablettengleich im großen Mainstream aufgelöst. Aber zumindest sind  Science-Fiction, Fantasy und Co inzwischen so normal und mainstreamig, dass ich nicht mehr andauernd begründen muss, warum ich mit unseren Jugendlichen LARPs organisiere und besuche, dass ich den Mädels beim Nähen von Cosplay-Klamotten helfe, dass wir LAN-Partys feiern und Pokémon-Go spielen gehen im Park.
Beim letzten Krippenspiel haben wir uns dann endgültig  geoutet. Mit einer Zeitmaschine ging die Reise zur Geburt Jesu. Und es gab nicht nur keine irritierten Rückfragen oder Beschwerden, im Gegenteil, wir haben sogar wirklich positive Rückmeldungen bekommen.
Auch, dass unsere Kirche Veranstaltungsort für the-nerdchurch sein darf, zeigt mir, dass sich viel getan hat in den letzten Jahren.  
Im Mainstream will ich gar nicht unbedingt sein, der verändert mir ohnehin zu oft seinen Lauf. Aber dass meine Kirchentür für mich offen ist, so wie ich bin, dass ich nicht einen Teil von mir draußen lassen muss, um willkommen zu sein, das ist wunderschön.
NL

bookmark_borderAus großer Macht folgt große Verantwortung

„Aus großer Macht folgt große Verantwortung.“ (Ben Parker zu Peter Parker alias Spiderman)
„Macht korrumpiert. Absolute Macht korrumpiert absolut.“ (Ausspruch der Bene Gesserit, Dune)
„Nun aber seid ihr Licht in dem Herrn. Wandelt als Kinder des Lichts“ (Epheser 5,8)

Immer wieder die gleiche Situation: Jemand entdeckt, dass er/sie besondere Fähigkeiten hat, und muss lernen damit umzugehen. Besondere Fähigkeiten, besondere Kräfte sind eben nicht nur Geschenk, sondern auch Verpflichtung.
Wenn ich so etwas bei Helden sehe, bzw. davon lese, dann ist mir das direkt einleuchtend. Natürlich muss jemand mit den Kräften von Spiderman aufpassen, dass er sie nicht missbraucht. Natürlich müssen die unsterblichen Bene Gesserit aufpassen, dass die Menschheit nicht in Selbstzerstörung untergeht.
Genauso natürlich erscheint es mir, dass es eben doch immer mal wieder passiert, dass ein Missbrauch stattfindet. Ganze Filmreihen (Star Wars!) handeln letztlich nur davon, dass Menschen lernen, mit ihren besonderen Fähigkeiten verantwortungsvoll umzugehen und nicht „zur dunklen Seite der Macht“ überzulaufen.

Bin ich als Christ denn ein Superheld? Muss ich mich mit dem gleichen Thema rumschlagen? Ich befürchte schon. Ich bin der festen Überzeugung, dass ich als gläubiger Mensch besondere Kräfte habe: Ich kann glauben, ich kann verzeihen, ich kann beten, ich habe eine Idee davon, was richtig und falsch ist …
Das erscheint jetzt vielleicht nicht als große Superkraft, aber es geht auch in den Filmen nicht wirklich um Superkräfte. Es geht darum, mit den Dingen, die man beeinflussen kann, verantwortungsvoll umzugehen. Egal ob man schlicht groß ist und deswegen vielleicht körperlich im Vorteil ist oder ob man gut darin ist Witze zu machen. Egal ob man einen einzelnen Menschen umsorgt oder ein ganzes Land regiert. Ich kann überall mit Tun und Lassen Gutes und Schlechtes bewirken …
„Aus großer Macht folgt große Verantwortung.“ – „Macht korrumpiert. Absolute Macht korrumpiert absolut.“ – „Nun aber seid ihr Licht in dem Herrn. Wandelt als Kinder des Lichts“ (Epheser 5,8)

PS: Gerade eben lese ich, dass der „Fridays-for-future-Aktivist“ Ferdinand Klemm in der Hauptversammlung von BMW mit dem Ausspruch „„Aus großer Macht folgt große Verantwortung.“ für Furore gesorgt hat
DR

bookmark_borderUnsere Kirche ist ein Pokestop

Wie wird eine kleine Kirche Spielort für ein weltweit gespieltes und in Japan entwickeltes Handyspiel? Bevor Pokémon-Go auf den Markt kam, gab es das Spiel Ingress, bei dem die Spieler auch schon mit dem Handy unterwegs sein mussten, um zu bestimmten Orten zu gelangen. Diese Orte sollten Sehenswürdigkeiten und historische Orte sein, aber auch mal öffentliche Gebäude. Das Coole war: Den Standort der Portale haben in der Anfangszeit von Ingress die Spieler selbst durch das Hochladen von Fotos und Ortsangaben  bestimmt. Die Spielerfinder  haben dieses Datenmaterial dann verarbeitet, gefiltert (keine Portale auf Autobahnkreuzen etc.) und angereichert. Es diente als Grundlage für Pokémon Go.
Ab November 2012 haben Leute angefangen Ingres zu spielen und sie haben zum Beispiel unsere Paul-Gerhardt- Kirche als Sehenswürdigkeit eingestuft und darum als Spielort vorgeschlagen. „Ist ja klar“ möchte man meinen,“ ist ja schließlich eine Kirche“, historischer Ort und so. Aber gemach. Eine mittelalterliche Kirche in der Dortmunder Innenstadt, die Marienkirche, beispielsweise, hat keinen Pokestop abbekommen. Stattdessen ist ein bemalter Stromkasten in der Nähe zu einer Sehenswürdigkeit gekürt worden. Von den japanischen Spielerfindern hat sich niemand die Mühe gemacht im Städtchen Dortmund nachzugucken, was denn da jetzt die wichtigen Sehenswürdigkeiten sind, man hat sich auf die Spieler verlassen. Hier in unserem Viertel wird die Kirche anscheinend von spielenden Leuten als wichtiger Ort wahrgenommen, wichtig genug um ein Ingress-Portal zu werden.

Enton vor der Kirche

Als ich unsere Gemeindesekretärin fragte, ob sie denn merken würde, dass nun mehr Leute mit Handy in der Hand vor der Kirche stehen bleiben, erzählte sie mir, dass sie gedacht hatte, dass diese Leute nach dem Geocache suchen, der auf unserem Gelände versteckt ist. Ganz schön was los hier. Die Kirche wird wahrgenommen. Als Bauwerk, als historischer Ort, als Denkmal, als Gotteshaus. Und wer sie noch nicht bemerkt hat, wird vielleicht aufmerksam beim Pokémon jagen, beim Geocaching, vielleicht demnächst auf der Jagd nach magischen Kreaturen, diesmal im Harry-Potter-Universum.

Als Pokémon-Go gerade frisch herausgekommen war, waren wir auf  der jährlichen Jugendfreizeit in einem kleinen Dorf am Rande des bayrischen Waldes. Drei Arenen, fünf Pokestops, der abendliche Spaziergang mit allen, die Pokémon-Go spielten, um alles abzugehen war Ritual auf dieser Freizeit. Ein Pokestop war vor der evangelischen Kirche. Vor der  saßen wir morgens auf Campingstühlen mit der ersten Tasse Kaffee, irgendwer hatte ein Lockmodul gestiftet und alle fingen Pokémon. Bei der Gelegenheit entdeckten unsere Teilnehmer auch die Kirche, fragten, ob sie zu besuchen sei, ganz freiwillig.  Ich trieb die Küsterin auf, bekam einfach den Schlüssel und die Jugendlichen konnten die Kirche erkunden, dabei hatte keiner ein Handy in der Hand, die Kirche hatte selbst eine spannende Geschichte zu erzählen.

Für uns Christen sind die Gotteshäuser als Versinnbildlichung wichtig, dass Gott mitten unter uns wohnt. Damit wird es fassbar. Aber Steine und Holz nehmen auch Platz weg und prägen Straßen und Stadtbilder. Umso besser also, wenn hier auch zu nicht gottesdienstlicher Zeit was los ist. Wenn Leute die Bank vor der Kirche nutzen, wenn Leute die Kirche optisch und emotional so sehr warnehmen, dass sie sie in Spielrealitäten mitnehmen möchten.

Vom 4.-7.  Juli findet in Dormund das zweite Pokémon-Go-Fest statt. Ich freue mich darauf , und mal gucken, vielleicht finde ich ja ein paar Leute, die für erschöpfte Pokémon-Jäger Kaffee anbieten und die Kirche öffnen, um mal reinzugucken in den Pokestop.

Und wann kommt eigentlich endlich „Wizards Unite“ raus? Ich bin gespannt, was die Kirche in diesem Paralleluniversum sein wird.

NL