bookmark_border„DAS BÖSE – Teil I“

Warum Teil I: Diese Andacht denkt etwas an und bleibt in der Mitte stehen. Viel wird angerissen, wenig zu Ende gedacht. Irgendwann wird es Teil II geben, wenn er an der Zeit ist.
Mir ist unlängst das Böse begegnet und nun werde ich es nicht mehr los.
Greta Thunberg hat vor der UN geredet. Nicht sehr lange, insofern kann man sich die Rede gut anhören oder durchlesen. In der deutschen Übersetzung heißt es „Wenn ihr (also die Politiker) die Situation wirklich verstehen würdet und uns immer noch im Stich lassen würdet, dann wärt ihr grausam und das weigere ich mich zu glauben.“
Im Original sagt Greta beim Wort grausam: evil. In meinem Wortschatz des Englischen heißt das „böse“. Und da war es, das Böse.
Was ist das, das Böse? Dieser Frage habe ich ein wenig nachgespürt, ohne wirklich eine Antwort gefunden zu haben. Ich will euch ein wenig mitnehmen auf meine Reise.
Wir bitten bei jedem Gottesdienst im Vater unser: „und erlöse uns von dem Bösen“, also muss es ja da sein, etwas dessen Existenz nicht zu leugnen ist.
Als ich anfing Radio zu hören, gab es (Ende der 1980er-Jahre) ein Lied namens „Das Omen“, eingeleitet von der Vorstellung des Mephisto aus Goethes Faust:

Ich bin der Geist, der stets verneint!
Und das mit Recht; denn alles, was entsteht,
Ist wert, daß es zugrunde geht;
Drum besser wär’s, daß nichts entstünde.
So ist denn alles, was ihr Sünde,
Zerstörung, kurz, das Böse nennt,
Mein eigentliches Element.

Ist das Böse also ein Geist, der analog zu Gottes Geist über die Welt zieht und uns heimsucht? Gilt es sich also mit allerlei Schutz zu umgeben, damit das Böse nicht in ein Haus fährt? Bei all den Schutzzaubern und Amuletten kann dieser Eindruck entstehen. Neuheidnisches Gedankengut spielt gerne mit bösen Geistern. Auch an Halloween kriechen sie in manchen Köpfen wieder hervor. Das Brauchtum ist voll davon.
Aber ich habe es nicht so mit Brauchtum. Ich habe es eher mit Mangas. Und da lief mir bei meiner Suche nach dem Bösen ein Geist über den Weg, der mich stutzig machte. Der Manga „Ghost in the Shell“ stammt aus Asien und wurde Ende der 1980er-Jahre verfasst. Berühmt wurde er durch den daraus entwickelten Anime gleichen Namens, der dann 2017 zu einem Realfilm führte.
Kurze Zusammenfassung: Im Jahr 2029 sind viele Menschen Cyborgs, die ihren Körper ganz oder teilweise durch künstliche Implantate ersetzt haben. Sogar das Gehirn lässt sich bis auf einige wenige Zellen durch ein sogenanntes Cyberbrain ersetzen. Verpackt in einer Biokapsel (der sogenannten Shell) stecken in jedem Cyborg menschliche Gehirnzellen mit seinem Geist (Ghost), der Identität und seiner Persönlichkeit.
Der Cyborg in diesem Manga unterscheidet sich durch ein paar menschliche Gehirnzellen von einer bloßen Puppe. Darin ist der Geist des Wesens enthalten. Also bei all dem Fortschritt der Science-Fiction wird der Mensch in seiner Biologie bis auf wenige Zellen ersetzbar. Der Geist in diesen Zellen ist am Ende das, was den Menschen im Kern ausmacht.
Warum ist diese Vorstellung bei mir in den Bereich „Böse“ gefallen? Nun, auch in der Bibel findet sich eine Stelle, an der sich der Mensch aus dem bloßen „Geschöpf eines Schöpfers“-sein herausbewegt und „eigenständig“ wird.

Im zweiten Schöpfungsbericht setzt Gott den Menschen in den Garten Eden. Ich denke ihr wisst was folgt. „Nur vom Baum der Erkenntnis sollt ihr nicht essen.“ Und als die Menschen es doch tun, da erst erkennen sie, dass sie nackt sind. Und Gott wirft sie hinaus. Was ist dieser Sündenfall?
Und Gott, der HERR, ließ aufwachsen aus der Erde allerlei Bäume, verlockend anzusehen und gut zu essen, und den Baum des Lebens mitten im Garten und den Baum der Erkenntnis des Guten und Bösen.
Wenn ich dem folge, dann ist das Böse nichts, was außen ist. Gott hat sicher in seinen Garten Eden keine böse Macht entlassen, die diese Menschen erst dann sehen. Zu unterschieden zwischen Gut und Böse ist uns Menschen gegeben, ja es macht uns erst zu dem, was wir sind. Und die Unterscheidung von Gut und Böse ist eine Unterscheidung der Handlungen von Menschen. So wie der Cyborg seinen Ghost braucht um sich von bloßen Maschinen zu unterscheiden, brauchen wir diesen Geist um keine Puppen zu sein.
Wir haben einen Geist. Wir entscheiden über Gut und Böse.
Das Böse ist nicht da draußen.
Das Böse, und das ist ein Zwischenschritt meiner Suche danach, ist in mir drinnen. Es macht mich zum Teil zum Menschen. Und das ist wirklich beängstigend. Trage ich dann doch in mir einen Geist, der so wie Mephisto spricht:

So ist denn alles, was ihr Sünde,
Zerstörung, kurz, das Böse nennt,
Mein eigentliches Element.

Bewahre uns Gott EG 171


bookmark_border„Hauskreis*“ & Pen-und-Paper-Rollenspiel**

eine sehr persönliche Sicht

*Hauskreise sind meist kleine Gruppen, die sich in der Regel zum Beten, für Bibelarbeiten und Gespräche über Glauben aber auch Alltag in privaten Wohnungen treffen.
Hauskreise sind, so scheint es mir, vor allem bei protestantischen und freikirchlichen Christen üblich.
**Das Pen-&-Paper-Rollenspie nach dem englischen Stift und Papier für Notizen benannt ist ein Spiel, bei dem die Mitwirkenden fiktive Rollen einnehmen und gemeinsam durch Erzählen ein Abenteuer erleben.

„Hauskreis“ und Pen-und-paper-Runde haben vieles gemeinsam, man trifft sich, oft über viele Jahre, in immer ähnlicher Zusammensetzung. Im Laufe der Zeit erfährt man mehr übereinander Freundschaften entwickeln sich, oder werden gestärkt.
Im Hauskreis wie ich ihn kenne, bereitet auch immer jemand etwas thematisch vor und dann entwickelt sich der Abend daran, was die Gruppe daraus macht.
Pen- und Paperrunden haben auch jemanden der oder die leitet, seit D&D Zeiten traditionell der Meister genannt. Eine manchmal von Außenstehendenden missverstandene Bezeichnung.
Ein Hauskreis ist kein Gottesdienst, auch wenn wir zu Beginn und am Ende beten um Gottes Begleitung, treffen wir uns doch weniger zu Gotteslob und mehr um eigne Fragen in Bezug auf eben diesen Gott zu klären.
Eine Pen and Paperrunde ist kein Theaterstück. Wir spielen für uns selber und für einander, nicht für ein Publikum (auch wenn es dieses Format inzwischen im Internet gibt, es ist nicht die ursprüngliche Intention der Rollenspielrunde gewesen).
Meine Hauskreis Erfahrungen sind erfreulicherweise ausschließlich Positiv. Seit vielen Jahren treffe ich mich ein paar mal im Jahr in einer unveränderten Runde von Menschen sehr unterschiedlichen Alters um über Gott und die Welt zu reden. Vorher essen wir gemeinsam. Das sind Abende, die mich stärken, mir helfen meinen Glauben zu hinterfragen und mir oft neue Einsichten schenken.
So viel Stabilität habe ich in Rollenspielrunden leider nie erlebt, mehrere Jahre hat so eine Clique schon mal gehalten aber spätestens nach Studium oder Ausbildung hat es die Gruppe in alle Winde verstreut. Versuche zu Rollenspielrunden in den letzten Jahren waren leider oft von kurzer Dauer, weil wir alle in sehr unterschiedlichen Alltagen und Zeitkontingenten eingespannt sind.
Dem Hauskreis tut es sehr gut, dass einige von uns schon pensioniert sind. Vielleicht klappt es dann, wenn ich aus dem Beruf raus bin, auch wieder mit der Rollenspielrunde.
In Hauskreis wie Rollenspielrunde muss erst mal Vertrauen wachsen, um sich einander öffnen zu können und um intensive Erlebnisse zu ermöglichen. Ehe ich mich traue einen Charakter zu spielen, bei dem ich vielleicht Themen für mich selber klären kann, die mich persönlich betreffen, muss ich darauf vertrauen können, dass niemand in der Runde solche Einblicke in meine Inneres ausnutzt.
Ehe ich über meinen Glauben und vielleicht auch damit Verbundene Krisen reden kann, muss ich mich darauf verlassen können nicht verurteilt zu werden für das was ich offen lege.
Bei beiden Formen läuft es auf das gleiche hinaus: sind die Teilnehmenden engagiert genug als Gruppe verbindlich zusammen zu bleiben und entsteht eine Atmosphäre gegenseitigen Respekts und Vertrauens so kann es für alle zu einer lohnenden Bereicherung werden.

Mich interessieren Eure Gedanken dazu. Ist der Vergleich weit her geholt? Habt Ihr da auch schon mal drüber nachgedacht? Seht Ihr andere Parallelen oder Unterschiede?

Natascha Luther

bookmark_borderPsioniker und das Mystische in der Science Fiction

Selbst die Science Fiction kommt nicht ohne Mystik aus! Das zeigt sich in den großen Bögen der SF-Literatur oder auch den bekannten Filmen immer wieder. Star Trek hat Spok und Sarek, die ja schon im Leben bestimmter Enterprise-Captains gewichtige Rollen spielten (vor allem die mentale Verbindung zwischen Picard und Sarek sei hier angemerkt!) und in ST Discovery wieder eine starke Rolle bekommen haben. Star Wars hat die Jedi. Spiele wie etwa Stellaris arbeiten mit einem psionischen Zivilisationsaufstieg, und einflussreiche SF-Autor*innen [JK1] wie James Tiptree Jr. oder William Gibson greifen in ihren Geschichten zu mystischen Elementen, um ihre Zukunftsvisionen zu illustrieren.
Es ist schon irre, dass ausgerechnet die Literaturgattung, die sich selbst die Möglichkeit gegeben hat, mit (natürlich erdachten) wissenschaftlichen Fortschritten Geschichten zu erzählen, selbst wieder nach mystischen Elementen greift. Ausgerechnet die Fanbase, die sich in Foren, Blogs und auf Youtube in endlosen Stunden und Beiträgen über fiktionale oder nichtfiktionale logische Zusammenhänge die Köpfe rauchig diskutieren kann und mag. Ausgerechnet die erdachten Welten, in denen eine utopische oder dystopische Gesellschaft oftmals unsere Religion(en) gezielt nicht mehr ins Zentrum rückt, sondern einen unerschütterlichen Glauben an Fortschritt oder den täglichen Überlebenskampf zum Zentrum des Antriebs der handelnden Menschen macht. Oder der Andorianer. Oder … Ihr wisst schon.
Diese mystischen psionischen Fähigkeiten sind dann auch noch oft gerade bei Völkern stark, die selbst noch religiöse Bindungen pflegen. Die Vulkanier unterhalten Klöster und strenge Riten. Die Asari aus Mass Effect leben in rituellen Bezügen. In Stellaris muss man sogar ein spiritualistisches Volk spielen, um Zugang zur Psionik zu haben.
Für mich zeigt sich darin ein wichtiger Zusammenhang: Selbst den genialen Köpfen der Science Fiction scheint es nicht zu reichen, dass sie alle Magie, all die Möglichkeiten, die ihren Geschichten Würze verleihen, technisch erklären können. Es genügt nicht, alles im vorhersehbaren, rationalen Rahmen zu gestalten. In bloßer Wissenschaft steckt eben kein Leben. Für große Geschichten, für mitreißende Unternehmungen braucht es Dramatik und Mystik. Deshalb sind die Jedi so unheimlich interessant. Uralt, mystisch und immer in Abenteuer verstrickt. Da steckt Leben drin!
Das Unerklärbare fordert unsere eigene Phantasie heraus. Und es ist ja gerade das, was einen Science Fiction-Fan wie mich so fasziniert – wenn seine eigene Phantasie getriggert, ja beflügelt wird und er selbst unter der Dusche rätselt, wie es mit den Charakteren wohl weitergeht, oder was er in dieser und jener Situation mit diesen und jenen Fähigkeiten getan hätte.
Das ist für mich ein religiöser Reiz. Denn auch in meinem Glauben komme ich an diesen Punkt, an dem ich mit meiner eigenen Phantasie gefragt und angeregt bin. Im Gebet, bei Wünschen für meine Umwelt, meine Freunde und Familie. In den alten Geschichten. Und interessanterweise auch in den Riten, die Kirche bietet. Da steckt Mystik drin! Meditation, Gemütsruhe, betont agierende Ästhetik. Sogar das Fremde, da ich ja auch oft das Handeln von Riten für mich mit Bedeutung füllen muss, finde ich in den kirchlichen Riten wieder. Alles, was ich selbst auch bei Vulkaniern und Jedis so spannend finde, das finde ich im kirchlichen Handeln.
In Kirche steckt Science Fiction, zumindest ein bisschen.


Felix Klemme, Pfarrer in einer Einzelpfarrstelle in einem Vorort von Paderborn, ist 33 Jahre alt und begeistert von Science Fiction in jeglichen Formen, sowie dem Pen and Paper-Rollenspiel Das Schwarze Auge (DSA). Er streamt auf seinem YouTube-Kanal (PoelleRPG) gerade die größte Kampagne dieses Rollenspiels und liebt es, Geschichten mitzuerleben und zu erzählen.

bookmark_borderRichtig gute Geschichten II

Ich liebe es, Geschichten zu hören und zu lesen. Vor allem natürlich gute. Aber was macht eine gute
Geschichte aus?
Ich las unlängst das Buch „Die Musik der Stille“ von Patrick Rothfuss. Ein Buch, das ich nicht
empfehlen kann, zumindest niemandem, der nicht die ersten zwei Teile der Königsmörder-Chronik
gelesen hat. Die Geschichte, die erzählt wird, handelt kurz gesagt von einem

Mädchen, das aufräumt.
Sie hat an sich aber nichts, was ein Buch sonst ausmacht. Keine weiteren Protagonisten, keine
wörtliche Rede, keine offensichtliche dramatische Handlung.
Und doch, die Geschichte wurde in Buchform gebracht, aus dem Englischen ins Deutsche übersetzt
und auch hier finden sich Leser. Unter anderem ich, der die Protagonistin sehr liebgewonnen hat.
Geschichten zu erzählen hat etwas mit demjenigen zu tun, der sie erzählt, mit der Geschichte selbst
und den Zuhörern. Geschichten ändern sich je nachdem, wer sie erzählt. Die Geschichte des
Erzählers, sein Leben und seine Erlebnisse haben etwas mit der Geschichte zu tun. Geschichten
erzählen ist etwas anderes als Vorlesen.

Und Geschichten sollten sich ebenso mit den Zuhörern
ändern. Die Geschichte vom Fischer und seiner Frau (Manntje, Manntje, Timpe Te, – Buttje, Buttje
inne See, – myne Fru de Ilsebill – will nich so, as ik wol will.) ist durchaus variabel. Wie viele Stationen
die Frau durchläuft und welche ist unterschiedlich, ob diese Geschichte Kindern oder Erwachsenen
erzählt wird. Die Aussage bleibt am Ende aber gleich: Die Frau, die so sein will wie der liebe Gott
selbst, sitzt wieder in ihrem Pissputt. (Hochmut kommt vor dem Fall.) Wir als Zuhörer erkennen sehr
schnell, ob uns eine Geschichte erzählt wird, oder ob wir einem Vortrag lauschen.
Und auch die Geschichten, die wir in der Bibel lesen, sind variabel. Menschen haben hier ihre
Beziehung zu Gott in Geschichten festgehalten. Anders kann ich mir die zwei Schöpfungsberichte
nicht erklären. Hier wurde etwas von Menschen für Menschen erzählt um jemandem die inhaltlichen
Aussagen nahezubringen. Und wir, die wir diese Geschichten heute erzählen, dürfen sie variieren und
wir müssen es mitunter auch – je nachdem, wer uns zuhört. Als Beispiel erzählen wir die Geschichte
von der Arche Noah selten so, dass Gottes Vernichtung der gesamten Menschheit, das Ertrinken von
Millionen von Menschen und Tieren zur Beruhigung von Gottes Zorn im Mittelpunkt steht, oder?
Eine Geschichte, die weder mit dem Erzähler etwas zu tun hat, noch mit den Zuhörern, ist leblos. Für
uns Erzählende bedeutet das, wir dürfen uns nicht verstecken, nicht hinter die bloßen Worte
zurückziehen. Wenn wir keine Hörbücher schaffen wollen, müssen uns unsere Geschichten selbst
bewegen und etwas von uns erzählen.
Und es geht sogar noch weiter. Selbst wenn wir die alten Geschichten nicht erzählen oder sie in
unserer Arbeit oder unserem Leben vermeintlich gar nicht ihren Platz finden, sind wir Teil von Gottes
Geschichte mit uns Menschen. Mit unseren Taten erzählen wir jeden Tag Geschichten und manche
Geschichten werden auch über uns erzählt.
Das sollte uns bewusst sein. Alles, was wir tun, ist ein Teil von Gottes Geschichte mit uns und unseren
Mitmenschen, an dessen Ende das Reich Gottes steht.

Malte Hausmann

bookmark_borderHabenichtse

„Sie verkauften Güter und Habe und teilten sie aus unter alle, je nachdem es einer nötig hatte. Und sie waren täglich einmütig beieinander im Tempel und brachen das Brot hier und dort in den Häusern, hielten die Mahlzeiten mit Freude und lauterem Herzen.“ Apg.2,35

Der Roman „Planet der Habenichtse“ (im Original „The Dispossessed“) von Ursula K. Le Guin aus dem Jahre 1974 wird bei Wikipedia als Utopie kategorisiert. Es ist ein Science-fiction-Roman der von dem Wissenschaftler Shevek handelt, der eine wichtige Entdeckung gemacht hat.
Auf Sheveks Heimatplaneten wird eine Gesellschaftsform gelebt, die die Autorin als „idealistischen Anarchismus“ bezeichnet.
Sie erklärt das so: „das moral-praktische Thema ist die Kooperation, die Solidarität und die gegenseitige Hilfe“.
Auf Sheveks Heimatplaneten Anarres gibt es de facto keinen Privatbesitz. Keine eigene Wohnung, kein eigenes Fahrzeug, kein Geschirrservice, keine Spielekonsole, keine Bücher, nichts gehört dem Einzelnen. Selbst die Sprache ist so entwickelt worden, dass es keinen Ausdruck für mein und dein gibt. Statt zu sagen: „Das ist mein Bleistift.“ sagt man „Das ist der Bleistift, den ich benutze.“.
Le Guin beschreibt aber auch, dass selbst in einer scheinbar idealen Gesellschaftsform, in der alles miteinander geteilt wird, der einzelne Mensch für sich ein Stückchen Macht gewinnen kann, als Lehrer oder Verwaltungsmitarbeiter (Ist es wirklich der Computer, der für alle die ideale Arbeitsstelle aussucht?) und so anderen Menschen das Leben schwerer machen kann.
Obwohl Anarres seinen Bewohnern obendrein harte Arbeit abverlangt um sich zu ernähren und Kultur und Freizeit oft zu kurz kommen, spürt man, dass dies ein utopischer Ort ist.
Ich mag dieses Buch sehr, weil die Hauptfigur Shevek so wunderbar selbstverständlich mit dem „nichts besitzen“ umgeht. Le Guin hat mich mit meinem eigenen Konsumverhalten, meinem eigenen ständigen Verlangen nach Neuem konfrontiert.
Die Vorstellung, „meine“ Aquarellpinsel abends einfach in einer gemeinsamen Werkstatt liegen zu lassen und am nächsten Tag vielleicht ganz andere Pinsel zu erwischen, ist für mich nicht positiv utopisch. Ich mag es, dass „die Pinsel, die ich benutze“ meine Pinsel sind. Sanft wird mir der Spiegel vorgehalten, so dass ich das zumindest einmal hinterfrage und benenne.
Immer wieder haben Menschen versucht, zu einer Lebensweise wie „vor dem Sündenfall“ zurückzukehren, alles zu teilen, Privatbesitz auszuschließen. Immer wieder misslingt das, wenn eine Bewegung zu groß wird. So ist es auch den frühen Christen gegangen, die irgendwann zu hierarchischen Strukturen gefunden haben und sich in einer Welt mit Besitzern und Habenichtsen eingerichtet haben. Aber zwischen der totalen Aufgabe von Privatbesitz und unserem Leben in den westlich geprägten Ländern heute ist ein weites Feld.
In Zeiten von Artensterben, Ressourcenausbeuten weit über die Nachhaltigkeitsgrenze und globaler Erwärmung ist es sicher an der Zeit, sehr genau zu überlegen, was wir eigentlich wirklich persönlich brauchen um uns erfüllt zu fühlen und was wir eigentlich auch teilen könnten.
Können wir das hinkriegen? Jesus hat eine Menge Vertrauen in seine Nachfolger gelegt, als er sie aufgefordert hat zu teilen, sich um einander zu kümmern, die Armen nicht zurückzulassen. Es ist höchste Zeit, dass wir uns das wieder vor Augen halten.
Eine gute Zusammenfassung der Geschichte hat Wikipedia: https://de.wikipedia.org/wiki/Planet_der_Habenichtse
Wer den Roman lesen möchte, kann ihn gebraucht für ca. 15 Euro erwerben. Das Exemplar, in dem ich lese, bleibt erst mal noch hier, ich muss es wohl noch ein paar Mal lesen ehe ich es abgeben kann.

Natascha

PS: Es gibt eine Neuübersetzung, Pölle machte mich drarauf aufmerksam:

bookmark_borderDie Götterwelt des Schwarzen Auges und der Gott der Christenheit

Was wäre eigentlich, wenn ich einen Gott hätte, der sichtbar und nachweisbar Einfluss auf die Geschehnisse der Geschichte nimmt? Quasi als göttliche Intervention?
Ich selbst spiele passioniert „Das Schwarze Auge“ (übrigens auch auf meinem eigenen YouTube-Kanal und dem Kanal eines Freundes). Gerade in Fantasy-RPGs ist es ja recht häufig, dass die Götter, die die Menschen verehren, sichtbar sind. Dass sie aktiv in den Weltenlauf eingreifen. Dass sie ja sogar ihre Priester mit eigener karmaler Magie ausstatten.
Wie wäre es eigentlich, wenn wir Christen einen solchen Gott hätten?
Manchmal wünsche ich mir das. Dass alle Zweifel ausgeräumt sind. Dass Gott auf jeden Fall, nachgewiesenermaßen, existiert. Dass er aktiv in die Welt eingreift, für alle sichtbare Wunder vollbringt, die keinen Raum mehr für Widerspruch lassen: Dieser Gott ist da!
Denn leider bin ich mir nicht immer 100%ig sicher im Glauben. Leider muss ich manchmal zweifeln, wenn ich Nachrichten schaue, und sehe, wie etwa der Amazonas in Flammen steht.
Ein Gott, so wie ihn die Charaktere im Rollenspiel haben, bewiesen und Teil unserer Welt. Das würde da Sicherheit schaffen.
Aber zu welchem Preis? Das wird auf den zweiten Blick deutlich.
Die Götter in Aventurien sind nämlich selbst sehr menschlich, sehr begrenzt. Ihr Wirken ist einklagbar. „Warum hast du an der und der Stelle denn nicht eingegriffen?! Du machst das doch sonst auch!“ Die Götter Aventuriens sind launisch. Manchmal tun sie etwas, und manchmal eben nicht. Und sie bekämpfen sich gegenseitig, tricksen sich gegenseitig aus. Dafür benutzen sie die Menschen. Sie benutzen die schwächeren Menschen für ihre eigenen kleinlichen Fehden und Intrigen. Und die Menschen sind dem ausgeliefert. Denn obwohl ja nicht allmächtig, sind die Götter dennoch absolut übermächtig. Das macht die Menschen zu Sklaven.
Die Götter Aventuriens und auch der meisten anderen Fantasy-Welten sind nicht allmächtig und nicht verborgen. Es besteht ein großer Unterschied zwischen ihnen und dem Gott der Christenheit. Sie sind selbst Teil des Kosmos, in dem sie leben. Und damit auch seinen Regeln unterworfen, die nun einmal auch bedeuten, dass sich jemand Macht ergaunern kann, wenn er oder sie skrupellos genug ist.
Gott aber agiert ganz anders. Er überragt genau diese Machtstrategien und kann so eine ganz andere Form des Lebens ermöglichen. Eine friedvolle, gemeinschaftliche und erfüllte Existenz, die mit dem Versprechen endet, dass es nach dieser Welt nicht nur weitergeht, sondern noch um ein Unendliches besser wird.
Paulus sagt, als Mensch kann man niemals frei sein. Entweder man untersteht den Götzen – und damit meint er alle möglichen Götter, die eigentlich selbst Teil dieser Welt sind. Oder man untersteht Gott selbst, der größer ist als diese Welt und der uns einen Korridor zu wirklichem Frieden geebnet hat. Das nennt sich dann die christliche Freiheit.


Felix Klemme, Pfarrer in einer Einzelpfarrstelle in einem Vorort von Paderborn, ist 33 Jahre alt und begeistert von Science Fiction in jeglichen Formen, sowie dem Pen and Paper-Rollenspiel Das Schwarze Auge (DSA). Er streamt auf seinem YouTube-Kanal (PoelleRPG) gerade die größte Kampagne dieses Rollenspiels und liebt es, Geschichten mitzuerleben und zu erzählen.

bookmark_borderRichtig gute Geschichten

Durch Zufall habe ich das Theaterstück „Harry Potter und das verwunschene Kind“ in die Hände bekommen und gleich durchgelesen. Ein tolles Erlebnis, mal wieder ein Theaterstück zu lesen und Harry Potter ist … – Harry Potter eben.
„Harry Potter und das verwunschene Kind“ ist kein Stück von J. K. Rowling alleine; nicht zuletzt Jack Thorne und John Tiffany haben da einiges mitgeschrieben. Ein Theaterstück zu lesen ist anders als ein Buch zu lesen. Es ist ein ganz anderes Medium … aber mich hat es in diesem Fall gepackt. Ich war wieder in der Welt von Harry, Hermine, Ron, Dumbledore ….

Richtig gute Geschichten gehören nicht ihrem Autor, richtig gute Geschichten werden von anderen Menschen auf verschiedenste Art und Weise weitererzählt. Ich frage mich, ob ich mich das bei den Geschichten der Bibel genug traue.
Die Geschichte von Gott und den Menschen ist doch eine richtig gute Geschichte – bzw. mehr als das. Aber traue ich mich, diese Geschichte einfach so weiterzuspinnen? Eine Geschichte von Jesus, die über die Geschichten der Bibel hinausgeht?
Es gibt erste (zum Teil sehr alte) Ansätze und Versuche in diese Richtung, aber so richtig groß und erfolgreich in der Mitte der Kirche? Vielleicht ist es an der Zeit, dass wir die erst erzählte und dann aufgeschriebene Geschichte von Gott und den Menschen mit unseren neuen Medien weitererzählen …

David, Pfarrer, LARPer, Analog-NERD | Twitter: @Raasch_David

bookmark_borderGeister und Gespenster!

Vielleicht kennt ihr ja die Geschichten um Peter Grant, Londoner Police Constable und Lehrling der Magie (Buchreihe „Die Flüsse von London“ von Ben Aaronovich). Urban Fantasy angereichert mit Kriminalflair und jeder Menge Sarkasmus. Quasi ein erwachsener Harry Potter.
In diesen Geschichten tauchen immer wieder Geister in verschiedenen Formen und Intensitäten auf. Besonders interessant: Peter kommt systematisch dem auf die Spur, was diese Geister wirklich sind. Es handelt sich bei ihnen um Fetzen der Persönlichkeit von Gestorbenen, die durch die Magie in der Welt – einer Art (Lebens-)Energie – weiter befeuert werden und dadurch noch auf der Erde sichtbar und hörbar sind. Also quasi durch Magie angetriebene Reste des Bewusstseins.
Ich habe angefangen mich zu fragen, wie viel Wahres vielleicht darin stecken könnte. Ob es wirklich sein kann, dass durch eine objektive Lebenskraft Teile unserer Persönlichkeiten auch nach unserem Tod auf der Erde „herumspuken“ könnten. Wenn ich jemanden segne oder Segen erhalte, dann spüre ich ja auch irgendwie eine Art Kraftübertragung. Der Theologe Manfred Josuttis nimmt diese Segenskraft nach Paulus (Röm 1,15f.) als „die Kraft des Evangeliums“ absolut wörtlich und meint damit die schöpferische Kraft Gottes, die so ein bisschen wie Magie als unsichtbare Ströme in der Welt existiert. Diese Kraft befeuert unsere Persönlichkeit, macht uns kreativ (was übersetzt ja auch „schöpferisch“ bedeutet). Diese Kraft ist der Ursprung von Leben und allem, was ihm dient, es befeuert. Jesus war so voll von dieser Lebenskraft, dass er selbst „zaubern“ konnte, Wunder vollbracht hat. Er hatte einen Überfluss von Lebenskraft, ja sogar Zugang zur Quelle, mit der er heilen konnte und Dinge tun, die dem Leben dienen. Seine Einblicke in diese Lebenskraft haben ihn Dinge gelehrt, die er uns weitergegeben hat. So kommen wir durch Jesus eben auch an diese Kraft heran.

Also zurück zum Ausgang: Wenn es diese Kraft gibt, kann sie nicht vielleicht sogar Teile unserer Persönlichkeit nach unserem Tod auf dieser Erde weiter befeuern? Geister bilden?
Ich sage dazu nach reiflicher Überlegung ein entschiedenes Jein! Denn das Ganze hat zwei Seiten.
Auf der einen Seite gibt es nichts, was von unserer Persönlichkeit – man könnte es auch „unsterbliche Seele“ nennen, wenn man möchte – nach dem Tod hier zurückbleibt. Den Körper lassen wir zurück. Den vergänglichen Teil unserer Existenz. Den Teil von uns, der zu dieser Erde gehört, die wir durch unseren Tod ja aber gerade verlassen.
Die Persönlichkeit ist da von einer anderen Qualität. Sie ist es ja, die unsere Beziehung zu Gott ausmacht. Sie wird zu ihm gehen. Wird unsere Körper überleben und entweder jetzt schon im Himmelreich* oder am Ende des Zeitenlaufs auf der neuen Erde mit Gott gemeinsam die ewige Hochzeit feiern.
Auf der anderen Seite bleibt ein Teil von uns ja durchaus auch auf der Erde zurück. Die Lebenskraft, die wir während unseres Lebens in diese Welt gesteckt haben. Was wir „gezaubert“ haben. Die Menschen, die wir zurücklassen, werden sich an uns erinnern, uns vermissen. Da sind Dinge, die wir geschaffen haben – als Kind ein Bild für die Eltern gemalt, das seitdem immer am Kühlschrank hängt. Als Erwachsener vielleicht sogar ein Lied für die Frau geschrieben, an die ich mein Herz verloren habe. Begebenheiten, die wir geprägt haben: Freizeiten mitbetreut, Aktionen mitgestaltet, Menschen begegnet und geholfen. Das ist unser Vermächtnis, wenn man es so sagen möchte. Das ist die Lebenskraft, die wir geformt und in die Welt entlassen haben. Unsere Magie. Das sind Fragmente unserer Persönlichkeit, die einen Stempelabdruck in dieser Welt hinterlassen haben. Unsere Kreationen, unser schöpferisches Wirken. An Kultur, oder an anderen Menschen. Das sind die Geister, die wir auf die Welt loslassen. Und die bleiben werden, wenn wir eines Tages den nächsten Schritt gegangen sind. Hinein in eine andere Welt, die vollkommen übersättigt sein wird von dieser Magie. So sehr, dass sie übergeflossen ist in unsere Welt.

Felix Klemme, Pfarrer in einer Einzelpfarrstelle in einem Vorort von Paderborn, ist 33 Jahre alt und begeistert von Science Fiction in jeglichen Formen, sowie dem Pen and Paper-Rollenspiel Das Schwarze Auge (DSA). Er streamt auf seinem YouTube-Kanal (PoelleRPG) gerade die größte Kampagne dieses Rollenspiels und liebt es, Geschichten mitzuerleben und zu erzählen.
https://twitter.com/Poeletto

bookmark_borderAuch NERDS brauchen Zukunft – 20.9. Generalstreik für Klimaschutzpolitik

Ich habe Tobi wiedergetroffen. Tobi, einen meiner aktivsten Mitarbeiter in der evangelischen Jugend in den ersten Jahren des neuen Jahrtausends. Auf Jugendfreizeiten schmiss er die Küche für 40 Personen.
Chef Nerd, der Tobi! Bei LAN-Partys hatte er den Nickname „Teletobi“. Für sein erstes LARP hat er sich ein Polster-Bat’leth gebaut. Er hat Physik studiert, am CERN geforscht und meinen kleinen Nerd-Horizont weit überschritten. Problemlos hätte er einen der Wissenschaftler in „Bigbang-Theorie“ vertreten können und wäre dabei deutlich weniger „akward“ gewesen. Evangelische Jugend halt.
Wir haben uns nie so ganz aus den Augen verloren, waren bei unseren Hochzeiten gegenseitig Gäste und haben uns immer wieder mal auf Geburtstagspartys gesehen. Irgendwann werde ich vielleicht seine Kinder taufen dürfen wenn die einverstanden sind.
Als ich ihn letztens wieder getroffen habe, hat er mich eingeladen noch in seiner Firma ’nen Kaffee zu trinken. Ich wurde den anderen Mitarbeitenden vorgestellt als die Frau von der Gemeinde, die LAN-Partys organisiert und hatte damit den benötigten Eintrittspass um in „Nerd-Central“ in der Küche sitzen und mitquatschen zu dürfen.
Es ist gut, dass wir einander getroffen haben, denn wir arbeiten an einem gemeinsamen Ziel. Das erklärt er in einem Artikel, den er für unseren Gemeindebrief geschrieben hat. Den will ich euch nicht vorenthalten.

„Hey Tobi, was machst du denn hier?“
Die Verwirrung war mir noch ins Gesicht geschrieben, als ich mich umdrehte um eine Freundin wiederzusehen. Aber in einer ganz anderen Situation als früher.
Natascha Luther hat mit uns Freizeiten veranstaltet, Computerspiele gespielt und Gemeindefeste auf- und abgebaut. Am 24. Mai habe ich sie mal wieder getroffen. Vorm RWE Tower in Dortmund, in einem Zug von über 6.000 Menschen, die größtenteils viel jünger waren als wir beide. Bei Fridays for Future.
Ja klar, Natascha hat sich schon immer für Nachhaltigkeit engagiert. Im christlichen Sinne, aber oft auch weit darüber hinaus. Das hat mich manchmal genervt und manchmal habe ich es bewundert. Aber warum war ich eigentlich da?

In der Zwischenzeit war einiges passiert. Die gemeinsamen Spieleabende in der Gemeinde und die enge Bindung an Paul-Gerhardt lagen in den frühen 2000er Jahren. Der Klimaschutz hatte mit dem Kyoto-Protokoll einen Meilenstein zu verbuchen und der 11. September erschien uns als die größte Herausforderung unserer Zeit. Heute blicke ich zurück auf Studium, Bankenkrise, Forschung und die Gründung einer Familie und mir erschien so vieles wichtiger. In Paris hatte die Welt doch endlich beschlossen, der Klimakrise entschieden entgegenzutreten.
Bis eine junge Schwedin freitags ihren Unterricht bestreikte und in der Folge Schülerinnen und Schüler auf der ganzen Welt. Es wurde klar: Seit dem Kyoto-Protokoll 1998 haben die Industriestaaten dieser Erde den Raubbau an unserer Zukunft ungebremst, ja sogar intensiver als vorher fortgesetzt. Und ehrlich gesagt, macht mir das Angst.
Im März diesen Jahres haben führende Klimaforscher und Klimaforscherinnen in Deutschland alle Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen gebeten, die Schülerinnen und Schüler zu unterstützen. Denn die Fridays for Future-Bewegung hat etwas geschafft, was die Wissenschaft vorher vergeblich versucht hat. Eine der größten Herausforderungen, vor denen die Menschheit steht, ins Zentrum der Aufmerksamkeit zu bringen.

Diese Herausforderung ist nicht mehr und nicht weniger als der Kampf um die Welt, wie wir sie kennen. Wohlstand, Natur, Kultur. Aber vor allem der um die Fähigkeit unseres Planeten, genug Nahrung für alle Lebewesen, die auf ihm wohnen, bereitzustellen.
Seit Mai bin ich nun mit vielen Mitstreiterinnen und Mitstreitern aus der Wissenschaft mit den Scientists 4 Future dabei, diesen Kampf anzunehmen. Und so habe ich Natascha wiedergetroffen.
Jeder von uns hat tausende Fragen zu diesem Thema, aus ganz unterschiedlichen Gründen.

Betrifft mich das überhaupt? Wie schlimm wird es denn?
Kann ich als Einzelner etwas tun?
Kann Deutschland überhaupt etwas tun?
Ich habe mich in den letzten Monaten viel mit Zahlen beschäftigt, mit Politikern und mit Expertinnen gesprochen, Daten ausgewertet und Prognosen angesehen.
Und eigentlich erscheint mir alles ganz einfach: Wenn ich meinen Kindern ein Leben ermöglichen möchte, das nur im Ansatz so frei von Not ist, wie meines bisher war, dann hat das nichts zu tun mit individuellem Wohlstand. Es geht nur um die Frage, ob wir politisch und gesellschaftlich in der Lage sind unsere Lebensweise so anzupassen, dass unsere Erde sich nicht weiter aufheizt, denn das tut sie im Moment. Immer weiter und immer weiter und wir Menschen in den reichen Ländern dieser Welt tragen die fast alleinige Verantwortung dafür.
Am 20.09. ruft Fridays for Future zum nächsten „globalen Klimastreik“ auf. Die Schüler brauchen an diesem Tag die Unterstützung aus der ganzen Gesellschaft. Wir alle müssen auf die Straße zu gehen um zu zeigen, dass wir bereit sind etwas zu ändern und dass wir mit Mut in die Zukunft gehen. Der vergangene Kirchentag hatte die Losung „Was für ein Vertrauen“. Die Jugend ruft uns Eltern und Großeltern dazu auf, ihrem Vertrauen in uns gerecht zu werden. Nur mit uns kann das verändert werden, was verändert werden muss. Packen wir‘s an.