Weltuntergang

Thessalonicher Kapitel 5, die Verse 1-6

Von den Zeiten aber und Stunden, Brüder und Schwestern, ist es nicht nötig, euch zu schreiben; denn ihr selbst wisst genau, dass der Tag des Herrn kommt wie ein Dieb in der Nacht. Wenn sie sagen: „Friede und Sicherheit“, dann überfällt sie schnell das Verderben wie die Wehen eine schwangere Frau, und sie werden nicht entrinnen. Ihr aber seid nicht in der Finsternis, dass der Tag wie ein Dieb über euch komme. Denn ihr alle seid Kinder des Lichtes und Kinder des Tages. Wir sind nicht von der Nacht noch von der Finsternis. So lasst uns nun nicht schlafen wie die andern, sondern lasst uns wachen und nüchtern sein.

Die Welt geht unter!
Weltuntergang – Apokalypse – Armageddon

Seit Jahrzehnten ist das ein Lieblingsthema in Film, Funk und Fernsehen.

Seit 1938 Orson Welles den Krieg der Welten in Form einer fiktiven Reportage im Radio inszenierte, übertreffen sich die Kreativen damit, sich auszumalen, wie es denn sein könnte, wenn dereinst die Welt untergeht.

In der Bibel und anderen religiösen Schriften dieser Welt gibt es auch reichlich Ideen, wie es sich ankündigen und vorhersagen lassen könnte, dieses Ende der Welt.

Ob als dramatischer Schocker wie in „Das siebte Zeichen

oder mit viel Augenzwinkern in „Good Omens“

Und darum kennt jeder, Christ oder nicht, ein paar Zeichen, die auf den Weltuntergang hindeuten könnten. Von den Reitern Hunger, Tod, Krieg und Umweltverschmutzung oder Pestilenz bis zum Antichristen.

Ach, ja, von Pestilenz wird in Good Omens behauptet, er hätte es dran gegeben im Zeitalter von Antibiotikum und Impfstoff und seinen Platz der Umweltverschmutzung geräumt … das wäre doch gar nicht nötig gewesen.

Einblick in Gottes Plan!

Verstehen, was Gott mit Corona will,

mit dem Klimawandel,

mit Attentaten von Islamisten und Nazis,

mit der Schlechtigkeit der Menschen.

All das verstehen – nur ein kleines bisschen, was das alles soll …

Die Zeitungen fragen:

Wo sind die Antworten der Kirche auf die Corona-Krise?

Manche spekulieren:

Ist „Corona“ das Zeichen für das Jüngste Gericht?

Reitet Pestilenz wieder?

Ist Trump der Antichrist?

Wird die Welt von falschen Propheten beherrscht?

Ist das Ende der Welt gekommen?

Das wäre doch eigentlich schön.

Es wäre schön, wenn das stimmt,

dass Corona – oder meinetwegen Donald Trump

das Zeichen dafür ist, dass die Welt zu Ende geht.

Denn das verschweigen all diese christlich inspirierten Filme,

dass „Der Tag des Herrn“ ein anderer Titel für das Jüngste Gericht ist,

für das Ende der Welt.

Endlich kommt Gott zu uns und die Welt wird verwandelt, endlich kommen Gottes Gerechtigkeit und Liebe auf die Erde. Endlich erkennen alle Menschen, was richtig und falsch ist, endlich … „könnten wir hören, was Gott redet“, weil Gott uns unendlich nah ist.

ihr selbst wisst genau, dass der Tag des Herrn kommt wie ein Dieb in der Nacht.“

Unser Bibeltext ist da recht klar.

Tut mir leid, aber wir wissen nicht, wann der Tag des Herrn kommt. Keine Chance! Ja, es könnte sein, dass das demnächst ist – aber das galt auch schon für alle Tage, Minuten, Sekunden der letzten 2000-5000 Jahre.

Insofern … nein, Corona ist alles Mögliche,

aber kein Zeichen für die letzten Tage:

Solche Zeichen bekommen wir als Christen nicht.

Der Autor unseres Bibeltextes meint sogar: Wir brauchen auch keine Zeichen. Für uns – für Christen – ist es vollkommen egal, ob die Welt morgen, übermorgen, Weihnachten oder in 2423 Jahren untergeht.

Das macht keinen Unterschied.

Die ganze Zeit über das Ende der Welt nachzudenken,

egal ob ich es befürchte oder erhoffe, ergibt keinen Sinn.

Für uns als Christen ist es egal, wann die Welt untergeht.

Denn wir haben uns schon mit dem Ende der Welt beschäftigt …

Wenn wir unseren Glauben bekennen, sprechen wir es immer wieder aus:

er sitzt zur Rechten Gottes …

von dort wird er kommen ….

Auferstehung der Toten…

und das ewige Leben.“

Wenigstens mitgesprochen habt ihr das alle schon einmal.

Es gehört zum – meist eher passiven – Wissen oder Glauben eines Christen dazu, das Ende der Welt im Blick zu haben.

Das Ende der Welt im Blick?

Ich bin ehrlich: Man kann doch verzweifeln.

Diese Verzweiflung, dieses Gefühl von Ohnmacht angesichts der Ungerechtigkeit der Welt,

angesichts der Zerstörung und Verheerung,

angesichts des Todes.

Die Sorgen, die wir – einige, viele – mit Blick auf neu aufkommenden Extremismus und Terrorismus, auf Klimawandel, Artensterben und Pandemien haben, die kommen wohl in jedem von uns mal auf.

All die Weltuntergangsszenarien, die ich gesehen habe, von 12 Monkeys

bis The Day After

die lassen das Ende der Welt sehr dystopisch wirken.

Wenn ich genau wüsste, dass morgen die Welt untergeht,

wäre ich vielleicht gelassener … denn dann wäre es an der Zeit ein Bäumchen zu pflanzen.

So aber sehe ich unablässig Zeichen, von denen ich doch weiß, dass sie nichts zu bedeuten haben.

Man möchte weinen, schreien, verhandeln.

Aushalten, dass man nichts weiß und dass es keine befriedigenden Antworten gibt, das ist schwer zu ertragen.

Einfach die Hände in den Schoß legen und denken:

Er wird es wohl machen“, das geht doch gar nicht.

Das große Geschenk des Glaubens an unseren dreieinigen Gott ist, dass wir nicht in dieser Verzweiflung stehen bleiben. Wir werden nicht stehen gelassen in diesen Zweifeln und Ängsten.

Ohne diese Verzweiflung klein zu reden oder mit irgendwelchen einfachen, oberflächlichen Antworten zu kommen, darf ich doch hoffen.

Denn Gott schenkt uns die „Liebe“,

manchmal fühlt sie sich vielleicht mehr wie „Solidarität“ an,

wie „nicht allein sein“

oder wie „Da gibt es eine Macht, die größer ist, als alles, das ich denken kann, als alles, was ich je erfassen könnte …“

Das heißt nicht, dass ich die Füße hochlegen kann und denken:

„Ist ja eh alles egal, was da draußen passiert.“

Ganz im Gegenteil, denn vielleicht sind wir noch nicht am Tag des Herrn angelangt und der liegt noch in weiter, weiter Ferne, und bis dahin, bis zu dem Tag haben wir einen Job zu erledigen: Einander lieben, unsere Feinde lieben, die Schöpfung bewahren, für Frieden und Gerechtigkeit arbeiten und, wenn es sein muss, auch mal kämpfen.

Zu wissen, dass das Ende der Welt erst der Beginn von etwas Neuem, unfassbar Gutem sein wird, gibt mir heute nicht das Recht, die Hände in den Schoß zu legen.

Ihr alle seid Kinder des Lichtes und Kinder des Tages“.

Das gilt es auch zu leben, danach gilt es zu handeln.

Ich weiß mich von Gott geliebt. Ich glaube, dass Gott als Jesus genauso zum Himmel geschrien hat, wie ich das manchmal tue – ich glaube, dass es einen Plan gibt, den ich nicht verstehe, der aber auf eine unbeschreibliche Liebe hinausläuft.

Ich glaube … an den allmächtigen und barmherzigen Gott.

Ich bin ein Kind des Lichtes.

Das gibt mir die Kraft, nicht zu verzweifeln sondern anzufassen, zu helfen, zu kämpfen.

Ich wünsche uns allen, dass wir das immer wieder können, an Gott glauben und ihm vertrauen.

Natascha Luther & David Raasch

Und wer noch ein paar mehr Weltuntergangsszenarien sucht, wird hier fündig:

Armageddon

San Andreas

The Day After Tomorrow