Die Götterwelt des Schwarzen Auges und der Gott der Christenheit

Was wäre eigentlich, wenn ich einen Gott hätte, der sichtbar und nachweisbar Einfluss auf die Geschehnisse der Geschichte nimmt? Quasi als göttliche Intervention?
Ich selbst spiele passioniert „Das Schwarze Auge“ (übrigens auch auf meinem eigenen YouTube-Kanal und dem Kanal eines Freundes). Gerade in Fantasy-RPGs ist es ja recht häufig, dass die Götter, die die Menschen verehren, sichtbar sind. Dass sie aktiv in den Weltenlauf eingreifen. Dass sie ja sogar ihre Priester mit eigener karmaler Magie ausstatten.
Wie wäre es eigentlich, wenn wir Christen einen solchen Gott hätten?
Manchmal wünsche ich mir das. Dass alle Zweifel ausgeräumt sind. Dass Gott auf jeden Fall, nachgewiesenermaßen, existiert. Dass er aktiv in die Welt eingreift, für alle sichtbare Wunder vollbringt, die keinen Raum mehr für Widerspruch lassen: Dieser Gott ist da!
Denn leider bin ich mir nicht immer 100%ig sicher im Glauben. Leider muss ich manchmal zweifeln, wenn ich Nachrichten schaue, und sehe, wie etwa der Amazonas in Flammen steht.
Ein Gott, so wie ihn die Charaktere im Rollenspiel haben, bewiesen und Teil unserer Welt. Das würde da Sicherheit schaffen.
Aber zu welchem Preis? Das wird auf den zweiten Blick deutlich.
Die Götter in Aventurien sind nämlich selbst sehr menschlich, sehr begrenzt. Ihr Wirken ist einklagbar. „Warum hast du an der und der Stelle denn nicht eingegriffen?! Du machst das doch sonst auch!“ Die Götter Aventuriens sind launisch. Manchmal tun sie etwas, und manchmal eben nicht. Und sie bekämpfen sich gegenseitig, tricksen sich gegenseitig aus. Dafür benutzen sie die Menschen. Sie benutzen die schwächeren Menschen für ihre eigenen kleinlichen Fehden und Intrigen. Und die Menschen sind dem ausgeliefert. Denn obwohl ja nicht allmächtig, sind die Götter dennoch absolut übermächtig. Das macht die Menschen zu Sklaven.
Die Götter Aventuriens und auch der meisten anderen Fantasy-Welten sind nicht allmächtig und nicht verborgen. Es besteht ein großer Unterschied zwischen ihnen und dem Gott der Christenheit. Sie sind selbst Teil des Kosmos, in dem sie leben. Und damit auch seinen Regeln unterworfen, die nun einmal auch bedeuten, dass sich jemand Macht ergaunern kann, wenn er oder sie skrupellos genug ist.
Gott aber agiert ganz anders. Er überragt genau diese Machtstrategien und kann so eine ganz andere Form des Lebens ermöglichen. Eine friedvolle, gemeinschaftliche und erfüllte Existenz, die mit dem Versprechen endet, dass es nach dieser Welt nicht nur weitergeht, sondern noch um ein Unendliches besser wird.
Paulus sagt, als Mensch kann man niemals frei sein. Entweder man untersteht den Götzen – und damit meint er alle möglichen Götter, die eigentlich selbst Teil dieser Welt sind. Oder man untersteht Gott selbst, der größer ist als diese Welt und der uns einen Korridor zu wirklichem Frieden geebnet hat. Das nennt sich dann die christliche Freiheit.


Felix Klemme, Pfarrer in einer Einzelpfarrstelle in einem Vorort von Paderborn, ist 33 Jahre alt und begeistert von Science Fiction in jeglichen Formen, sowie dem Pen and Paper-Rollenspiel Das Schwarze Auge (DSA). Er streamt auf seinem YouTube-Kanal (PoelleRPG) gerade die größte Kampagne dieses Rollenspiels und liebt es, Geschichten mitzuerleben und zu erzählen.

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