Die Pfade der Toten

Im Matthäus Evangelium, Kapitel 21, nimmt Petrus Jesus beiseite nachdem er gehört hat, dass dieser sich ausliefern und kreuzigen lassen wird. Petrus ist entsetzt: „Herr, das möge Gott verhindern! So etwas darf dir niemals zustoßen!“ Aber Jesus ist entschlossen, seinen Weg zu gehen.
Aragorn muss durch die Pfade der Toten gehen. Eowyn versucht, ihn davon abzubringen: „Ich mag nicht mit ansehen, wie etwas Edles und Vortreffliches unnütz weggeworfen wird.“
Aber Aragorn weiß, was er tut. „Kein Wahnsinn ist es, Jungfrau, denn ich gehe einen mir vorgezeichneten Weg.“
Harry Potter kapiert irgendwann, dass die Prophezeiung: „Und der Eine muss von der Hand des Anderen sterben, denn keiner kann leben, während der andere überlebt“ eigentlich nur eines bedeuten kann: Er wird sich freiwillig kampflos ergeben müssen. Hermine versucht, ihm das auszureden.
Aslan ergibt sich der weißen Hexe, lässt sich fesseln, scheren und töten zum Entsetzen von Lucy und Susan.
Christliche Fantasy-Autoren haben Jesu Leiden und Sterben und auch seine Auferstehung literarisch nachempfunden. Und sie haben uns Figuren gegeben, die mit Unverständnis reagieren, wenn ihre Freunde und Helden zum Entschluss kommen, dass sie sich ergeben müssen, kampflos, unheldenhaft.
Ich habe Verständnis für das Unverständnis der „Sidekicks“.
Aber Aragorn / Harry / Aslan, sie wissen was sie tun, kennen den Sinn. Die anderen müssen das ertragen.
Wie Eowyn, Hermine, Lucy und Susan und auch Petrus kann ich selbst aus meiner heutigen „nach der Auferstehung“-Sicht auf den Tod Jesu eine solche Selbsthingabe kaum aushalten. Gefühlt werde ich auch zum Sidekick in diesem Drama.
In „Der Jesus-Deal“ geht Andreas Eschenbach der Frage nach, was wäre, wenn man mit einer Zeitmaschine zurückreisen könnte in die Zeit Jesu. Eine Gruppe von zeitreisenden Christen zerbricht an der Frage, ob sie Jesus retten sollten vor Folter und Tod. Eine Entscheidung, die ich nicht fällen müssen möchte.

Der Karfreitag ist unerträglich. Ich hechele auf den Ostersonntag hin.
Die Sidekicks in meiner „nerdigen“ Literatur begleiten mich dabei auszuhalten, dass der Sieg in der Auferstehung ohne Golgata nicht stattfinden würde.

NL

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.